Geldmarkt-ETF oder Tagesgeld: Wo der Notgroschen besser liegt
10.000 € Notgroschen, ein Jahr: Ich rechne Geldmarkt-ETF, Tagesgeld, Lockzins und Broker-Guthaben gegeneinander und zeige, was der ETF im Notfall nicht kann.
Stefan LaunWirtschaftsmathematiker und Finanz-Experte42 € oder 245 € für denselben Notgroschen
10.000 € Rücklage, zwölf Monate, nichts angefasst. Auf einem Tagesgeld zum Durchschnittszins der Sparkassen bringt das 42 €. In einem Geldmarkt-ETF sind es nach Kosten rund 245 €, wenn der Marktzins bleibt, wo er Anfang Oktober 2026 steht. Beides vor Steuern.
Der Abstand ist groß, aber er sagt wenig über den ETF. Er sagt vor allem etwas über das Tagesgeld, das nach dem Lockzins übrig bleibt. Gegen die besten Konten ohne Befristung gewinnt der Geldmarkt-ETF nämlich nicht: Dort gibt es 256 € und mehr.
Meine Ausgangsthese für diesen Artikel war: Ein Geldmarkt-ETF bringt nach Kosten etwa so viel wie das beste Tagesgeld ohne Lockzins und erspart den Bankwechsel; eine Einlagensicherung hat er nicht. Der erste Teil stimmt mit einem kleinen Abschlag: Der ETF liegt 12 bis 18 € im Jahr hinter den besten unbefristeten Angeboten, und das nur, wenn er über einen Neobroker gekauft wird. Der zweite stimmt nur halb, denn das verzinste Guthabenkonto beim Broker erspart den Wechsel genauso und kostet keine Order. Der dritte stimmt, ist für einen Notgroschen aber nicht der einzige Unterschied. Dazu kommen zwei andere: wie schnell das Geld da ist, und dass ein Geldmarkt-ETF Jahr für Jahr an Wert verliert, wenn der Marktzins unter null liegt.
2,49 %
bringt ein €STR-ETF aufs Jahr gerechnet, Stand 8.10.2026
0,42 %
zahlten Sparkassen im Schnitt aufs Tagesgeld (Verivox, 9.9.2026)
−0,5 %
im Jahr hat der größte Geldmarkt-ETF von 2016 bis 2021 verloren
Was ein Geldmarkt-ETF zahlt
Die Fonds selbst stellen wir auf der Seite zu den Geldmarkt-ETFs vor. Hier nur, was für den Vergleich nötig ist, am Beispiel des größten: Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap (ISIN LU0290358497, rund 24 Mrd. € Fondsvermögen Ende September 2026).
Der Fonds bildet den Euro-Tagesgeldsatz €STR ab, zu dem sich Banken über Nacht Geld leihen. Die EZB veröffentlicht ihn an jedem Bankarbeitstag; am 8. Oktober 2026 lag er bei 2,439 %. Der Index des Fonds legt 0,085 Prozentpunkte darauf, die Kosten von 0,10 % im Jahr gehen ab. Unterm Strich bekommst du den €STR minus 0,015 Prozentpunkte, zurzeit also 2,424 %.
Aufs Jahr gerechnet ist das etwas mehr, als die Zahl vermuten lässt. Am Geldmarkt hat das Zinsjahr 360 Tage, gezahlt wird für 365, und der Fonds legt die Zinsen täglich wieder an. Bleibt der €STR, wo er ist, kommen in zwölf Monaten 2,49 % zusammen.
Dass die Rechnung trägt, zeigt der Blick zurück. Aus den Tageswerten der EZB ergibt sich für den Fonds 2024 ein Plus von 3,76 %, für 2025 von 2,22 % und für die zwölf Monate bis zum 8. Oktober 2026 von 2,06 %. DWS weist für 2024 3,8 % und für 2025 2,2 % aus, die Fondsportale für die letzten zwölf Monate 2,06 bis 2,08 %.
Die Rechnung: 10.000 € für zwölf Monate
Annahmen: 10.000 €, zwölf Monate, jeder Zins bleibt, wo er zuletzt stand. Das ist eine Vereinfachung, denn keiner dieser Zinsen ist garantiert. Beim ETF rechne ich einen Kauf und einen Verkauf ein, dazu die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Sie lag bei Tradegate am 9. Oktober 2026 bei 3 Cent auf rund 150 € je Anteil, das sind 0,02 % oder 2,06 € auf 10.000 €. An anderen Handelsplätzen kann sie etwas abweichen.
Was die Order kostet, hängt am Depot. Beim Neobroker ist es rund 1 €. Die ING nimmt 4,90 € plus 0,25 % des Kurswerts, bei 10.000 € also 29,90 € je Order. Die DKB nimmt in dieser Größe 15 €. Die ING führt einen Teil ihrer ETFs als Aktionsfonds mit niedrigerer Kaufgebühr; ich rechne mit dem Standardpreis.
| Wo die 10.000 € liegen | Zins | Ertrag |
|---|---|---|
| Tagesgeld, Schnitt der Sparkassen | 0,42 % | 42 € |
| Tagesgeld ING, nach der Aktion | 0,75 % | 75 € |
| Tagesgeld DKB oder Consorsbank, regulär | 1,0 % | 100 € |
| Tagesgeld, Schnitt bundesweiter Angebote | 1,4 % | 140 € |
| Geldmarkt-ETF im Depot der ING | 2,42 % | 186,94 € |
| Geldmarkt-ETF im Depot der DKB | 2,42 % | 216,74 € |
| Geldmarkt-ETF beim Neobroker | 2,42 % | 244,74 € |
| Guthaben bei Trade Republic | 2,5 % | 256,45 € |
| Guthaben bei Scalable Capital | 2,6 % | 263,12 € |
| Lockzins, dreimal gewechselt, im besten Fall | 4,0 % | 405,36 € |
Vor Steuern. Die Zins-Spalte zeigt den Nominalzins; aufs Jahr gerechnet sind es beim ETF 2,49 %, bei Trade Republic 2,56 %. Die beiden Durchschnitte: Verivox, Stand 9. September 2026, also vor der Leitzinserhöhung vom 16. September. Alle anderen Zinsen: Anbieterseiten, Stand Anfang Oktober 2026. Trade Republic rechnet taggenau mit 360 Zinstagen und schreibt monatlich gut; Scalable habe ich mit einem Zwölftel je Monat gerechnet.
Geldmarkt-ETF: €STR 2,439 % minus 0,015 Prozentpunkte, zwei Orders (Neobroker je 1 €, ING je 29,90 €), 0,02 % Handelsspanne.
Drei Dinge lese ich daraus.
Erstens: Zwischen dem ETF beim Neobroker und den verzinsten Guthabenkonten liegen 12 bis 18 € im Jahr, zugunsten der Konten. Das ist „etwa so viel“. Wer wegen der Rendite von einem gut verzinsten Konto in den ETF wechselt, gewinnt nichts.
Zweitens: Der Vorsprung vor dem regulären Tagesgeld der großen Direktbanken ist deutlich, aber kleiner, als die 245 € versprechen, wenn das Depot bei genau diesen Banken liegt. Bei der ING bleiben nach zwei Orders 187 € gegen 75 € auf dem Tagesgeld, bei der DKB 217 € gegen 100 €. Das sind 112 und 117 € mehr, nicht 170 und 145 €.
Drittens: Am meisten bringt weder der ETF noch ein Dauerzins. Wer dreimal im Jahr zum nächsten Lockzins umzieht, kann 405 € holen. Dazu weiter unten mehr, denn die Zahl ist ein Bestfall.
Die Orderkosten fallen nur einmal an. Bleibt das Geld drei Jahre liegen, schrumpft der Rückstand des ETF auf das Guthaben bei Trade Republic von knapp 12 € auf knapp 10 € im Jahr. Aufgeholt wird er nicht.
Das beste Tagesgeld ohne Lockzins
Verivox nannte am 9. September 2026 die Ascory Bank aus Hamburg mit 2,5 % als deutsche Bank mit dem höchsten Bestandskundenzins, dazu Scalable Capital mit 2,6 %. An diesem Tag lag der €STR noch bei 2,19 %, der ETF hätte aufs Jahr 2,23 % und nach Kosten rund 219 € gebracht. Das Ascory-Tagesgeld lag also 31 € vorn. Ob die Bank die Leitzinserhöhung vom 16. September weitergegeben hat, war bis Redaktionsschluss nicht zu klären; Vergleichsportale nennen inzwischen unterschiedliche Werte. Deshalb steht sie nicht in der Tabelle.
Nach Steuern ändert sich die Reihenfolge nicht
Zinsen und Erträge aus Geldmarkt-ETFs werden gleich besteuert: Abgeltungsteuer plus Soli, zusammen 26,375 %, auf alles über dem Sparerpauschbetrag von 1.000 €. Wer ihn mit 250 € Zinsen nicht ausschöpft, zahlt in beiden Fällen nichts. Die 30 % Teilfreistellung, die du von Aktien-ETFs kennst, gibt es für Geldmarktfonds nicht. Ist der Pauschbetrag schon verbraucht, werden aus 244,74 € 180,19 € und aus 256,45 € 188,81 €.
Auch einen Steueraufschub bringt der thesaurierende ETF in solchen Jahren nicht. Im Januar setzt der Broker die Vorabpauschale an, für 2026 sind das 2,24 % des Werts vom Jahresanfang, höchstens aber der tatsächliche Wertzuwachs. Der Fonds dürfte 2026 auf knapp 2,2 % kommen. Du versteuerst also praktisch den ganzen Ertrag Jahr für Jahr, wie beim Tagesgeld. Wie die Rechnung im Einzelnen geht, steht im Artikel zur Vorabpauschale 2027. Wichtig ist nur, dass der Freistellungsauftrag beim Broker liegt, wenn der Notgroschen dort liegt; mehr dazu unter Freistellungsauftrag aufteilen.
Warum das normale Tagesgeld so weit zurückliegt
Die EZB hat den Einlagesatz 2026 zweimal angehoben, zum 17. Juni auf 2,25 % und zum 16. September auf 2,50 %. Der €STR ist an genau diesen beiden Tagen gesprungen: von 1,93 auf 2,18 % und von 2,19 auf 2,44 %. Der ETF hat beide Erhöhungen sofort weitergegeben, weil er gar nicht anders kann.
Beim Tagesgeld entscheidet die Bank. Verivox hat Anfang September mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet: Seit der Erhöhung im Juni hatten nur 20 % der Tagesgeldangebote den regulären Zins für Bestandskunden angehoben. Der Schnitt der bundesweiten Angebote stieg von 1,33 auf 1,4 %, während der Leitzins um 0,25 Prozentpunkte zulegte. Die Sparkassen lagen im Schnitt bei 0,42 %, die Genossenschaftsbanken bei 0,48 %.
In die andere Richtung gilt dasselbe, nur fällt es dann weniger auf: Senkt die EZB, sinkt der ETF sofort mit. Der Geldmarkt-ETF ist kein Zinsversprechen. Er reicht den Marktzins durch, in beide Richtungen und ohne dass jemand eine Aktion daraus macht.
Ein Konto, das den Einlagesatz der EZB eins zu eins weitergibt und monatlich gutschreibt, wäre dem ETF sogar leicht voraus gewesen. Als Modell gerechnet: 2024 rund 3,8 bis 3,9 % gegen 3,76 % im ETF, 2025 rund 2,3 % gegen 2,22 %. Das sind 5 bis 10 € je 10.000 € und Jahr, weil der €STR ein paar Hundertstel unter dem Einlagesatz liegt.
Die dritte Möglichkeit: das Guthabenkonto beim Broker
Der ETF soll den Bankwechsel ersparen. Das tut er, aber wer ihn kaufen kann, hat schon ein Depot, und bei mehreren Neobrokern ist das Guthaben neben dem Depot selbst verzinst. Trade Republic zahlt im Oktober 2026 2,5 % und liegt damit auf Höhe des Einlagesatzes der EZB. Scalable Capital zahlt 2,6 % und nennt das Angebot selbst Tagesgeld. Beide schreiben die Zinsen monatlich gut.
Gegenüber dem ETF hat dieses Guthaben zwei sichere Vorteile: Es kostet keine Order und keine Handelsspanne, und es muss nicht erst verkauft werden. Dafür legt den Zins der Broker fest. Er kann ihn jederzeit senken, auch ohne dass die EZB sich bewegt.
Beim dritten Vorteil, der Einlagensicherung, kommt es auf den Broker an. Trade Republic verteilt das Geld auf Partnerbanken, wo die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € je Bank gilt, und legt nach eigener Beschreibung höhere Beträge zusätzlich am Geldmarkt an. Scalable verteilt das Guthaben im kostenlosen Modell auf Banken oder Geldmarktfonds; es kann dort auch ganz in einem Geldmarktfonds liegen. Dann ist es Fondsvermögen ohne Einlagensicherung, also genau das, was du mit dem ETF selbst kaufen würdest. Bei Scalable zeigt die App die Verteilung. Die Broker und ihre Konditionen stehen im Depot-Vergleich.
Bleibt der Fall, in dem die These am ehesten stimmt: Dein Depot liegt bei einer Bank, die das Verrechnungskonto nicht verzinst und Bestandskunden beim Tagesgeld 1 % zahlt. Dann ist der Geldmarkt-ETF der Weg zum Marktzins, ohne irgendwo ein neues Konto zu eröffnen. Nur kostet die Order dort mehr, und der Vorsprung braucht länger: bei der DKB rund 79 Tage, bis die beiden Orders verdient sind, bei der ING rund 130 Tage. Den Kauf kannst du bei der ING über einen Sparplan ohne Gebühr strecken, den Verkauf nicht.
Was der ETF im Notfall nicht kann
Am Samstagabend ist er nicht zu verkaufen
Ein Notgroschen ist für den Tag da, an dem etwas schiefgeht. Im Artikel zum Notgroschen ist das die Werkstattrechnung am Montagmorgen.
Einen ETF verkaufst du nur, wenn die Börse geöffnet hat. Abgerechnet wird der Verkauf nach EU-Recht spätestens zwei Börsentage später; ab dem 11. Oktober 2027 ist es einer. Trade Republic gibt den Erlös nach eigener Angabe am Ende des Verkaufstags oder am Tag darauf zur Auszahlung frei. Für die Überweisung aufs Girokonto nennt der Broker bis zu drei Bankarbeitstage. Zusammen sind das ein bis vier Bankarbeitstage, über ein langes Wochenende mehr.
Beim Tagesgeld hängt das Tempo an der Bank. Die DKB etwa bietet die Umbuchung aufs Referenzkonto als Echtzeitüberweisung an, dann ist das Geld auch am Samstagabend da. Nicht jede Bank kann das; ein Blick in die Bedingungen lohnt sich, bevor du dich darauf verlässt. Der ETF kann es in keinem Fall, und im Notfall zählen genau diese Tage.
Einlagensicherung gegen Fondsvermögen
Tagesgeld ist eine Forderung gegen die Bank. Geht sie pleite, ersetzt die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 € je Kunde und Bank, spätestens sieben Arbeitstage nachdem der Entschädigungsfall festgestellt ist.
Ein ETF-Anteil ist keine Einlage. Das Vermögen des Fonds liegt bei einer Verwahrstelle, getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft, und ist bei deren Insolvenz nicht Teil der Insolvenzmasse. Eine Zusage, dass der Anteil morgen so viel wert ist wie heute, gibt niemand. Der Xtrackers-Fonds kauft außerdem nicht einfach Tagesgeld: Er hält Wertpapiere und tauscht deren Ertrag über Swaps mit mehreren Banken gegen den €STR. Die EU-Fondsregeln begrenzen, wie viel der Fonds von einem einzelnen Tauschpartner zu fordern haben darf: höchstens 10 % des Fondsvermögens, wenn es eine Bank ist. Das ist eine laufende Anlagegrenze und keine Garantie, aber sie hält den möglichen Schaden klein.
Bei mehr als 100.000 € hat der ETF einen Vorteil: Er braucht nur ein Depot, während du Tagesgeld auf mehrere Banken verteilen müsstest, um unter der Grenze zu bleiben. Für einen Notgroschen ist das selten die Frage. Und für einen typischen Fall großer Summen hat das Gesetz vorgesorgt: Der Erlös aus dem Verkauf einer selbst genutzten Wohnimmobilie ist sechs Monate lang bis 500.000 € geschützt.
Wenn der Marktzins unter null fällt
Das ist der Punkt, der in den Jahren mit Zinsen gern vergessen wird. Der Tagesgeldsatz der Banken untereinander rutschte Ende August 2014 zum ersten Mal unter null und lag von April 2015 bis Mitte September 2022 durchgehend im Minus. Ein Fonds, der ihn abbildet, verliert dann jeden Tag ein wenig.
| Jahr | Fonds laut DWS |
|---|---|
| 2016 | −0,5 % |
| 2017 | −0,5 % |
| 2018 | −0,5 % |
| 2019 | −0,5 % |
| 2020 | −0,6 % |
| 2021 | −0,6 % |
Über diese sechs Jahre sind das zusammen rund −3 %; die Jahreswerte von DWS sind auf eine Nachkommastelle gerundet. Aus 10.000 € wurden rund 9.700 €. Nehme ich 2015 und die ersten Monate 2022 dazu und rechne mit dem Tagesgeldsatz der EZB minus 0,10 % Kosten, komme ich auf rund −3,5 %. Das ist kein Absturz, sondern etwa 50 € im Jahr auf 10.000 €, und mit den Zinsen seit Herbst 2022 war der Stand von Anfang 2015 nach meiner Rechnung im Januar 2024 wieder erreicht. Aber es ist ein Verlust auf Geld, das nichts verlieren soll.
Ein Tagesgeld zu 0,0 % stand in dieser Zeit besser da. Einige Banken haben damals allerdings Verwahrentgelte auf höhere Guthaben verlangt. Der Bundesgerichtshof hat am 4. Februar 2025 entschieden, dass solche Klauseln gegenüber Verbrauchern auf Tagesgeld- und Sparkonten unwirksam sind. Nach dieser Rechtsprechung kann ein Tagesgeld für Privatkunden nominal nicht unter null fallen, ein Geldmarkt-ETF schon.
Ein Geldmarkt-ETF schwankt nicht wie ein Aktien-ETF; seine Schwankung lag zuletzt unter 0,1 % im Jahr. Verlieren kann er trotzdem: langsam und vorhersehbar, sobald der Tagesgeldsatz unter die Fondskosten fällt.
Lohnt sich der Lockzins-Umzug?
Rechnerisch ja. Anfang Oktober 2026 boten mehrere Banken 4,0 % und mehr für vier Monate. Meist gilt das für Neukunden. Die DKB zahlt ihre 4 % auch Bestandskunden, auf Geld, das bis zum 20. Oktober 2026 von einer anderen Bank kommt; wer dort ohnehin Kunde ist, braucht dafür kein neues Konto. Wer mit 10.000 € dreimal im Jahr zum nächsten Angebot wechselt, kommt im besten Fall auf 405 € statt 245 €.
Der beste Fall heißt: dreimal hintereinander 4,0 %, kein Tag ohne Zins beim Umzug, und jedes Mal eine Bank, die dich noch als Neukunden nimmt. Mit 3,5 % im Schnitt sind es 354 €, mit 3,2 % 323 €. Im zweiten Jahr brauchst du drei andere Banken. Und der faire Maßstab für jemanden, der ohnehin ein Konto eröffnet, ist nicht der ETF, sondern das beste Guthabenkonto: Gegen die 263 € bei Scalable bleiben 142 € Vorsprung, nach Steuern gut 100 €.
Dafür gibt es drei Kontoeröffnungen mit Identitätsprüfung, drei Überweisungen und einen Freistellungsauftrag, der jedes Mal mit umziehen muss.
Schief geht es nur, wenn das Geld nach der Aktion liegen bleibt. Wer den Lockzins einmal mitnimmt und danach 1,0 % bekommt, hat nach zwölf Monaten 201 € und damit weniger als im ETF. Wer nach den vier Monaten in den Geldmarkt-ETF oder auf ein Konto mit 2,5 % weiterzieht, landet bei rund 296 oder 302 €.
Meine Einschätzung: Einen Lockzins mitzunehmen und danach in eine Dauerlösung zu wechseln, ist ein vernünftiger Kompromiss. Dreimal im Jahr die Bank zu wechseln, ist legitim, wenn es dir Spaß macht. Als Dauerlösung für eine Rücklage, die vor allem da sein soll, halte ich es für zu viel Bewegung. Und die Beträge gelten für 10.000 €. Bei 5.000 € ist der Bestfall noch 81 € mehr als der ETF.
Bei kleinen Beträgen und kurzer Zeit zählen die Orderkosten
Zwei Orders zu je 1 € und die Handelsspanne sind bei 10.000 € über ein Jahr egal. Bei einem Notgroschen im Aufbau nicht. So lange dauert es beim Neobroker, bis der ETF seine Kosten gegenüber einem Tagesgeld mit 1,0 % wieder verdient hat:
| Betrag | Tage bis zum Gleichstand |
|---|---|
| 1.000 € | 54 |
| 3.000 € | 21 |
| 5.000 € | 15 |
| 10.000 € | 10 |
Wer das Geld länger liegen lässt, ist auch mit 1.000 € im Plus: nach einem Jahr rund 23 € gegen 10 €. Teuer wird die Bewegung. Jeder Teilverkauf kostet wieder 1 €. Wer aus dem Notgroschen regelmäßig kleinere Beträge entnimmt und nachfüllt, ist auf einem Konto besser aufgehoben. Für den Aufbau gibt es einen Ausweg: Trade Republic und Scalable führen ETF-Sparpläne ohne Gebühr aus.
Wie ich den Notgroschen aufteilen würde
Meine Einschätzung: Der Geldmarkt-ETF ist die bequeme Lösung für Leute, die sich um Tagesgeldzinsen nicht kümmern wollen, und als solche ist er gut. Er ist nicht die renditestärkste Lösung und nicht die sicherste. Wer bereit ist, einmal ein verzinstes Guthabenkonto zu eröffnen, bekommt etwas mehr und spart die Orderkosten; bei Trade Republic liegt das Geld bis 100.000 € bei Banken mit Einlagensicherung. Auch dieser Zins ist variabel; nachsehen muss man hier wie dort.
Im Notgroschen-Artikel steht: Tagesgeld, Punkt. Für den Teil, der sofort da sein muss, bleibe ich dabei. Ich würde so vorgehen.
Ein bis zwei Monatsausgaben gehören auf ein Konto, von dem das Geld am selben oder nächsten Tag auf dem Girokonto ist. Das ist der Teil für die Werkstatt, die Waschmaschine, die Kaution. Zins ist hier Nebensache. Wie viel dein Notgroschen insgesamt sein sollte, rechnest du im Notgroschen-Artikel aus.
Für den Rest entscheidet, was du schon hast. Verzinst dein Broker das Guthaben in Höhe des Leitzinses, bleibt es dort, und der ETF bringt keinen Cent mehr. Zahlt dein Broker nichts und deine Bank 1 %, ist der Geldmarkt-ETF die Lösung ohne Kontoeröffnung: je nach Ordergebühr gut 110 bis 145 € mehr im Jahr auf 10.000 €, dafür ein paar Tage Wartezeit. Hast du gar kein Depot, lohnt es sich nicht, eines nur für den Geldmarkt-ETF zu eröffnen. Dann ist ein Konto mit gutem Dauerzins derselbe Aufwand ohne Kursrisiko. Klassische Tagesgelder mit einem Dauerzins nahe am Leitzins sind selten; zurzeit sind es vor allem die Guthabenkonten der Neobroker.
Geld, das du zu einem festen Termin brauchst, gehört weder hierhin noch dorthin. Dafür gibt es Festgeld; den Unterschied erklärt Festgeld oder Tagesgeld, die aktuellen Zinsen stehen im Festgeld-Vergleich.
Und einmal im Jahr würde ich nachsehen, was aus dem Zins geworden ist. Die nächste EZB-Sitzung ist am 29. Oktober 2026. Ändert sie den Einlagesatz, hat der ETF das am Tag der Umsetzung im Kurs. Ob dein Tagesgeld folgt, zeigt der Kontoauszug.
Häufige Fragen zu Geldmarkt-ETF und Tagesgeld
Nein. Tagesgeld ist bis 100.000 € je Bank durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Ein Geldmarkt-ETF ist getrennt verwahrtes Fondsvermögen ohne Einlagensicherung; sein Kurs schwankt kaum, ist aber von 2016 bis 2021 jedes Jahr um 0,5 bis 0,6 % gesunken.
Verkaufen kannst du an jedem Börsentag. Bis das Geld auf dem Girokonto ist, vergehen je nach Broker ein bis vier Bankarbeitstage.
Mehr als der Durchschnitt, nicht mehr als die besten Angebote. Anfang Oktober 2026 sind es aufs Jahr gerechnet 2,49 % vor Orderkosten. Der Schnitt bundesweiter Tagesgelder lag im September bei 1,4 %. Verzinste Guthabenkonten bei Neobrokern zahlen nominal 2,5 bis 2,6 %, aufs Jahr gerechnet knapp 2,6 % und mehr.
Ja, wie auf Zinsen: 26,375 % auf alles über dem Sparerpauschbetrag. Eine Teilfreistellung gibt es nicht. Bei thesaurierenden Fonds bucht der Broker im Januar die Steuer auf die Vorabpauschale ab, der Rest wird beim Verkauf fällig.
Der Ertrag des ETF sinkt sofort mit. Fällt der Tagesgeldsatz unter die Fondskosten, verliert der Anteil an Wert. Ein Tagesgeld kann die Bank ebenfalls senken; ein Verwahrentgelt darf sie Privatkunden darauf nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht berechnen.
Quellen
- Europäische Zentralbank, ECB Data Portal: Euro short-term rate (Reihe EST.B.EU000A2X2A25.WT, Tageswerte bis 08.10.2026), EONIA (Reihe EON.D.EONIA_TO.RATE, 2014 bis 2021) und Einlagesatz (Reihe FM.D.U2.EUR.4F.KR.DFR.LEV, 2024 bis 2026); Jahreswerte daraus selbst berechnet
- Europäische Zentralbank: Key ECB interest rates (Einlagesatz 2,25 % ab 17.06.2026, 2,50 % ab 16.09.2026) und Sitzungskalender 2026 (29.10.2026)
- DWS: Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF 1C, Factsheet vom 30.09.2026 (Index Solactive €STR +8.5 Daily Total Return, Pauschalgebühr 0,10 %, Fondsvermögen 24,19 Mrd. €), Basisinformationsblatt und Information on past performance (Jahreswerte 2016 bis 2025)
- justETF und extraETF: Wertentwicklung über zwölf Monate, Volatilität und Swap-Kontrahenten des Fonds, Stand Oktober 2026
- Tradegate: Geld- und Briefkurs des Fonds (150,453 € / 150,484 €), 09.10.2026
- onvista: Tagesgeld im Oktober 2026, 06.10.2026 (Aktionszinsen von 4,0 % und mehr für vier Monate)
- Verivox: Tagesgeld-Auswertung vom 09.09.2026 (Durchschnittszinsen, Bestandskundenzinsen, Ascory Bank, Scalable Capital)
- ING: Tagesgeld und Konditionen Direkt-Depot; DKB: Tagesgeld und Preis- und Leistungsverzeichnis Depot vom 15.09.2026; Consorsbank: Preise und Zinsen, Konten; jeweils Stand Oktober 2026
- Trade Republic: Zinsen und Hilfeseiten zu Zinsberechnung, Verwahrung des Guthabens, Auszahlung von Verkaufserlösen und Dauer einer Auszahlung; Scalable Capital: Zinsen und Hilfeseite zur Guthabenverteilung; jeweils Stand Oktober 2026
- Einlagensicherungsgesetz, Stand 2026: § 8 Abs. 1 (Deckungssumme 100.000 €), § 8 Abs. 2 (bis 500.000 € für sechs Monate, unter anderem nach dem Verkauf einer privat genutzten Wohnimmobilie), § 14 Abs. 3 (Entschädigung binnen sieben Arbeitstagen nach Feststellung des Entschädigungsfalls)
- Einkommensteuergesetz, Stand 2026: § 20 Abs. 9 (Sparer-Pauschbetrag), § 32d (Abgeltungsteuer); Investmentsteuergesetz, Stand 2026: § 18 (Vorabpauschale), § 20 (Teilfreistellung nur für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds); Bundesministerium der Finanzen: Basiszins 3,20 % für 2026, Schreiben vom 13.01.2026
- Richtlinie 2009/65/EG (OGAW), Art. 52 Abs. 1: Ausfallrisiko aus OTC-Derivaten je Gegenpartei höchstens 10 % des Fondsvermögens, wenn sie ein Kreditinstitut ist, sonst 5 %
- Verordnung (EU) Nr. 909/2014, Art. 5 Abs. 2 (Abwicklung spätestens am zweiten Geschäftstag nach dem Handel) und Verordnung (EU) 2025/2075 vom 08.10.2025 (ein Geschäftstag ab 11.10.2027)
- Bundesgerichtshof: Pressemitteilung Nr. 26/2025 zu den Urteilen vom 04.02.2025 über Verwahrentgelte (XI ZR 61/23, XI ZR 65/23, XI ZR 161/23, XI ZR 183/23)
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