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Größte Unternehmen aus Großbritannien

Die wertvollsten börsennotierten Unternehmen aus Großbritannien, sortiert nach Marktkapitalisierung.

41
1
AstraZeneca PLC
AZN
260,0 Mrd. €
2
HSBC
HSBC
249,6 Mrd. €
3
Shell plc
SHEL
209,6 Mrd. €
4
Linde
LIN
193,7 Mrd. €
5
Rio Tinto Group
RIO
126,6 Mrd. €
6
Unilever PLC
UL
125,7 Mrd. €
7
Rolls-Royce Holdings plc
RYCEY
125,3 Mrd. €
8
British American Tobacco p.l.c.
BTI
108,4 Mrd. €
9
Arm Holdings plc American Depositary Shares
ARM
106,3 Mrd. €
10
Ashtead Group plc
ASHGY
103,8 Mrd. €
11
GSK plc
GSK
95,3 Mrd. €
12
BP p.l.c.
BP
91,4 Mrd. €
13
National Grid plc
NGG
77,2 Mrd. €
14
BAE Systems plc
BAESY
76,9 Mrd. €
15
Lloyds Banking Group plc
LYG
66,1 Mrd. €
16
Barclays PLC
BCS
65,9 Mrd. €
17
RELX Plc
RELX
55,1 Mrd. €
18
Lloyds Banking Group plc 9.25% NON-CUM IRR PRF SHS GBP0.25
LLOBF
53,3 Mrd. €
19
London Stock Exchange Group plc
LSEGY
51,8 Mrd. €
20
AngloGold Ashanti Plc
AU
46,9 Mrd. €
21
Compass Group PLC
CMPGY
45,2 Mrd. €
2245,0 Mrd. €
23
Standard Chartered PLC
SCBFY
43,5 Mrd. €
24
Antofagasta plc
ANFGF
42,9 Mrd. €
25
Anglo American plc
NGLOY
40,5 Mrd. €
26
Haleon plc
HLN
39,4 Mrd. €
27
Diageo plc
DEO
39,2 Mrd. €
28
Coca-Cola Europacific Partners PLC
CCEP
38,8 Mrd. €
29
Ferguson plc
FERG
38,8 Mrd. €
30
Prudential plc
PUK
32,5 Mrd. €
31
Vodafone Group Public Limited Company
VOD
30,7 Mrd. €
32
NatWest Group plc
NWG
26,7 Mrd. €
33
Willis Towers Watson Public Limited Company
WTW
24,9 Mrd. €
34
TechnipFMC plc
FTI
22,0 Mrd. €
35
Roivant Sciences Ltd.
ROIV
17,6 Mrd. €
36
InterContinental Hotels Group PLC
IHG
17,1 Mrd. €
37
nVent Electric plc
NVT
15,0 Mrd. €
38
Rentokil Initial plc
RTO
13,9 Mrd. €
39
Pentair plc
PNR
13,0 Mrd. €
40
Smith & Nephew plc
SNN
12,7 Mrd. €
41
CNH Industrial N.V.
CNH
11,8 Mrd. €

Großbritannien: Europas traditionsreichster Finanzplatz

Der britische Aktienmarkt ist der größte in Europa und einer der ältesten der Welt. Die London Stock Exchange (LSE) ist seit Jahrhunderten das Zentrum des internationalen Finanzhandels. Trotz des Brexits bleibt London ein globaler Finanzplatz erster Klasse, und der FTSE 100 bietet Zugang zu multinationalen Konzernen aus den Bereichen Pharma, Energie, Finanzen und Bergbau. Für deutsche Anleger besonders attraktiv: Großbritannien erhebt keine Quellensteuer auf Dividenden.

Die London Stock Exchange: 300 Jahre Börsengeschichte

Die London Stock Exchange (LSE) geht auf die Kaffeehäuser des 17. Jahrhunderts zurück, in denen Londoner Kaufleute und Makler Aktien und Anleihen handelten. Die formelle Gründung erfolgte 1801, doch die Tradition reicht bis 1698 zurück, als John Castaing erstmals eine Kursliste im Jonathan's Coffee-House veröffentlichte.

Heute gehört die LSE zur London Stock Exchange Group (LSEG), die auch den Index-Anbieter FTSE Russell und den Datenanbieter Refinitiv umfasst. Die LSE ist nach Marktkapitalisierung die sechstgrößte Börse der Welt und der unangefochtene Handelsplatz für europäische Aktien.

Neben dem Main Market bietet die LSE den AIM (Alternative Investment Market) — eine Plattform für kleinere Wachstumsunternehmen mit geringeren Listinganforderungen. Der AIM ist besonders für Rohstoff-Explorer und Technologie-Start-ups relevant.

HandelsplatzBeschreibungGelistete Unternehmen
LSE Main MarketLeitmarkt für Large und Mid Caps~1.300
AIMWachstumsmarkt für Small Caps~700

FTSE 100: Der britische Leitindex

Der FTSE 100 (umgangssprachlich „Footsie") umfasst die 100 größten an der LSE gelisteten Unternehmen, gewichtet nach Streubesitz-Marktkapitalisierung. Er wurde 1984 mit einem Basiswert von 1.000 Punkten eingeführt und ist ein reiner Kursindex — Dividenden werden nicht eingerechnet, anders als beim deutschen DAX.

Der FTSE 100 ist stark international ausgerichtet: Die gelisteten Unternehmen erzielen geschätzt über 75 Prozent ihrer Umsätze außerhalb Großbritanniens. Damit ist der Index weniger ein Abbild der britischen Binnenwirtschaft als vielmehr ein Portfolio global agierender Konzerne, die zufällig in London gelistet sind.

Weitere relevante britische Indizes:

  • FTSE 250: Die nächsten 250 Unternehmen nach dem FTSE 100 — stärker auf die britische Binnenwirtschaft fokussiert
  • FTSE All-Share: FTSE 100 + FTSE 250 + FTSE SmallCap — der breiteste britische Index
  • FTSE AIM All-Share: Alle AIM-gelisteten Unternehmen

Sektorale Struktur: Diversifiziert mit klaren Schwerpunkten

Der britische Markt zeichnet sich durch eine breite Sektorenvielfalt aus, mit einigen markanten Schwerpunkten:

  • Finanzen: HSBC, Barclays, Lloyds, London Stock Exchange Group, Prudential — London ist eines der drei globalen Finanzzentren neben New York und Hongkong
  • Pharma & Gesundheit: AstraZeneca, GSK (GlaxoSmithKline), Haleon — Großbritannien ist eine Pharma-Großmacht mit starker Forschungslandschaft
  • Energie: Shell, BP — zwei der größten Öl- und Gaskonzerne der Welt haben ihren Sitz in London
  • Bergbau & Rohstoffe: Rio Tinto, Anglo American, Glencore, BHP (Zweitlisting) — die LSE ist der globale Handelsplatz für Mining-Aktien
  • Konsumgüter: Unilever, Diageo, Reckitt Benckiser — globale Marken mit stabilen Cashflows
  • Tabak: British American Tobacco, Imperial Brands — hohe Dividendenrenditen, aber ESG-kritisch

Die Dominanz der Finanz-, Energie- und Rohstoffsektoren erklärt, warum der FTSE 100 in den letzten Jahren nicht mit dem technologielastigen S&P 500 mithalten konnte. Dafür bietet der Index eine der höchsten Dividendenrenditen unter den großen Indizes — regelmäßig über 3,5 Prozent.

Die größten britischen Unternehmen

UnternehmenSektorMarktkapitalisierung (ca.)
AstraZenecaPharma~220 Mrd. GBP
ShellEnergie~190 Mrd. GBP
HSBCBanken~150 Mrd. GBP
UnileverKonsumgüter~115 Mrd. GBP
BPEnergie~80 Mrd. GBP
GSKPharma~70 Mrd. GBP
Rio TintoBergbau~65 Mrd. GBP
DiageoKonsumgüter~60 Mrd. GBP
British American TobaccoTabak~55 Mrd. GBP
BarclaysBanken~45 Mrd. GBP

AstraZeneca hat sich durch seine Onkologie-Pipeline und die COVID-19-Impfstoffproduktion zum wertvollsten britischen Unternehmen entwickelt und ist eines der größten Pharmaunternehmen weltweit.

Regulierung und Marktstruktur

Der britische Finanzmarkt wird von der Financial Conduct Authority (FCA) und der Prudential Regulation Authority (PRA) reguliert. Die FCA ist für den Anlegerschutz und die Marktintegrität zuständig, die PRA für die Aufsicht über Banken und Versicherungen.

Das regulatorische Rahmenwerk gilt als eines der fortschrittlichsten weltweit. Großbritannien war Vorreiter bei der Einführung von Corporate-Governance-Kodizes — der UK Corporate Governance Code setzt seit 1992 Standards, die international als Vorbild dienen. Das Prinzip „Comply or Explain" gibt Unternehmen Flexibilität, verlangt aber Transparenz bei Abweichungen.

Brexit-Implikationen für Anleger

Der Brexit hat die Beziehung zwischen dem britischen und dem europäischen Kapitalmarkt verändert, aber nicht fundamental erschüttert:

  • Kein EU-Pass mehr: Britische Finanzdienstleister haben den automatischen Zugang zum EU-Binnenmarkt verloren. Viele Banken haben Teile ihres Geschäfts nach Dublin, Frankfurt oder Paris verlagert
  • Regulatorische Divergenz: Großbritannien kann nun eigene Finanzmarktregeln setzen, was zu Unterschieden bei MiFID-II-Äquivalenz und Derivatehandel führt
  • Handelsabkommen: Das UK-EU Trade and Cooperation Agreement regelt den Warenhandel, enthält aber wenig zum Finanzdienstleistungssektor
  • Aktienbewertung: Britische Aktien handeln seit dem Brexit-Referendum 2016 mit einem deutlichen Abschlag gegenüber europäischen und US-Peers — einige Analysten sehen hier eine Bewertungsanomalie

Für Privatanleger hat sich in der Praxis wenig geändert: Britische Aktien sind über deutsche Broker weiterhin problemlos handelbar, und die Handelskosten sind vergleichbar mit anderen europäischen Märkten.

Was deutsche Anleger über britische Aktien wissen müssen

Quellensteuer 0 Prozent: Großbritannien erhebt keine Quellensteuer auf Dividenden. Das ist ein erheblicher Vorteil gegenüber fast allen anderen Ländern. Deutsche Anleger zahlen auf britische Dividenden lediglich die deutsche Abgeltungssteuer — kein Quellensteuerabzug, keine Rückerstattungsanträge, keine Formulare. Das macht britische Dividendenaktien besonders attraktiv für Einkommensanleger.

Währungsrisiko (GBP/EUR): Britische Aktien notieren in Pfund Sterling. Die Wechselkursschwankungen zwischen GBP und EUR können die Rendite in beide Richtungen beeinflussen. Seit dem Brexit-Referendum hat das Pfund gegenüber dem Euro deutlich nachgegeben, was für Euro-Anleger die Renditen geschmälert hat. Langfristig bleibt das Pfund jedoch eine der liquidesten und stabilsten Währungen der Welt.

Handelszeiten: Die LSE handelt von 09:00 bis 17:30 Uhr MEZ — fast identisch mit den deutschen Handelszeiten. Viele britische Blue Chips sind auch an deutschen Börsen handelbar.

Der britische Markt wird von mehreren Entwicklungen geprägt:

  • Value-Comeback: Die Sektorzusammensetzung des FTSE 100 (Energie, Finanzen, Pharma) profitiert von einem Umfeld steigender Zinsen und Inflation — der Index hat in den letzten Jahren relativ gut performt
  • Listing-Abwanderung: Einige britische Unternehmen (z. B. CRH, Flutter Entertainment) haben ihr Hauptlisting in die USA verlagert, um höhere Bewertungen und mehr Analystencoverage zu erhalten
  • IPO-Reform: Die FCA hat die Listing-Regeln reformiert, um den Londoner Markt für Börsengänge attraktiver zu machen
  • Dividendenstärke: Der FTSE 100 bleibt einer der dividendenstärksten Indizes weltweit — ein Argument für Income-Investoren
  • Pharma-Innovation: AstraZeneca und GSK investieren massiv in Onkologie und Impfstoffe

Der britische Markt bietet eine einzigartige Kombination aus internationaler Diversifikation, hoher Dividendenrendite und steuerlicher Effizienz für deutsche Anleger. Die historische Bewertungslücke zum US-Markt könnte sich als Chance erweisen, sofern die britische Wirtschaft ihre Post-Brexit-Anpassung erfolgreich abschließt.

Quellen und weiterführende Informationen

  • London Stock Exchange: Marktdaten und Listingstandards — londonstockexchange.com
  • Financial Conduct Authority (FCA): Regulierung und Anlegerschutz — fca.org.uk
  • FTSE Russell: Indexmethodik und Zusammensetzung — ftserussell.com
  • Bank of England: Geldpolitik und Wirtschaftsberichte — bankofengland.co.uk
  • HM Revenue & Customs: Steuerliche Informationen für ausländische Investoren — gov.uk/hmrc
  • Office for National Statistics: Wirtschaftsdaten UK — ons.gov.uk