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Thesaurierend oder ausschüttend: Was nach Steuern bleibt

25 Jahre Sparplan und 20 Jahre Entnahme durchgerechnet: Solange der Freibetrag reicht, bringt thesaurierend nichts extra. Wann es sich doch lohnt.

Zwei ISINs, ein Index

Du hast dich für einen Welt-ETF entschieden, zum Beispiel den Vanguard FTSE All-World. Dann kommt die Wahl, an der erstaunlich viele Sparpläne hängen bleiben: Den gibt es zweimal. Einmal thesaurierend (IE00BK5BQT80), einmal ausschüttend (IE00B3RBWM25). Gleicher Index, gleiche Kostenquote von 0,14 % pro Jahr (laut Vanguard-Factsheet vom 31.07.2026). Der eine legt die Dividenden im Fonds wieder an, der andere überweist sie dir viermal im Jahr aufs Verrechnungskonto.

Ich habe Monat für Monat durchgerechnet, was nach Steuern bleibt: 25 Jahre Sparplan, danach 20 Jahre Entnahme, mit den Steuerregeln von 2026. Solange dein Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft ist, bringt der thesaurierende ETF in der Ansparphase nichts extra, im Gegenteil, vorausgesetzt, du legst die Ausschüttungen des anderen jedes Mal ohne Gebühren wieder an. Einen nennenswerten Vorsprung für den Thesaurierer gibt es nur bei großen Depots oder einem Freibetrag, den andere Erträge schon belegen, und auch dann nur, wenn der Basiszins niedrig liegt. Selbst dieser Vorsprung ist kleiner als das, was ein paar Zehntelprozent Kostenquote ausmachen.

204 €

Unterschied nach 25 Jahren mit 200 € im Monat beim Basiszins 2026, knapp zugunsten ausschüttend

13.070 €

größter Vorsprung des Thesaurierers: Freibetrag anderweitig belegt, Basiszins wie 2018 bis 2022, 45 Jahre

31.092 €

kosten 0,3 Prozentpunkte mehr Kostenquote im selben Fall über dieselben 45 Jahre

Warum bei beiden meist dasselbe versteuert wird

Der Grund steckt in der Vorabpauschale. Sie wird oft als Steuer für Thesaurierer erklärt, gilt aber für beide Varianten. Laut § 18 Investmentsteuergesetz wird jedes Jahr ein Mindestertrag angesetzt, der Basisertrag: Fondswert am Jahresanfang × Basiszins × 0,7. Was der Fonds im Jahr ausgeschüttet hat, wird davon abgezogen. Der Rest ist die Vorabpauschale; die Steuer darauf behält deine Bank ein.

Für 2026 hat das Bundesfinanzministerium einen Basiszins von 3,20 % bekanntgegeben (BMF-Schreiben vom 13. Januar 2026). Der Basisertrag liegt damit bei 3,20 % × 0,7 = 2,24 % des Fondswerts. Ein breiter Welt-ETF schüttet weniger aus: Der ausschüttende Vanguard FTSE All-World kam laut justETF zuletzt auf 1,30 % Ausschüttungsrendite (Stand: September 2026), im Jahr 2025 auf 1,52 %. Ich rechne im Folgenden mit 1,5 %.

So sieht das für 10.000 € im Jahr 2026 aus, bei 7 % Wertentwicklung:

ThesaurierendAusschüttend
Ausschüttung0 €150 €
Vorabpauschale224 €74 €
Steuerpflichtig (70 %)156,80 €156,80 €
Steuer, Pauschbetrag verbraucht41,36 €41,36 €

Der ausschüttende Fonds zahlt 150 € aus, und weil das weniger ist als die 224 € Basisertrag, kommen 74 € Vorabpauschale obendrauf. Am Ende versteuern beide dieselben 224 €. Die 70 % kommen von der Teilfreistellung: Bei Aktienfonds sind 30 % aller Erträge steuerfrei (§ 20 InvStG), bei Ausschüttung, Vorabpauschale und Verkaufsgewinn gleichermaßen. Die Steuer ist Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %, ohne Kirchensteuer.

Beim späteren Verkauf werden alle Vorabpauschalen, die für die verkauften Anteile angesetzt wurden, vom Gewinn abgezogen, und zwar in voller Höhe (§ 19 InvStG). Das gilt auch dann, wenn der Pauschbetrag sie gedeckt hat. Du zahlst also nicht doppelt, du zahlst nur früher.

Wann die Jahreserträge auseinanderlaufen

In einem einzelnen Jahr versteuern die beiden nur in zwei Fällen Unterschiedliches. Erstens, wenn die Ausschüttung größer ist als der Basisertrag. Bei 1,5 % Ausschüttungsrendite ist das der Fall, sobald der Basiszins unter 1,5 % ÷ 0,7 = 2,14 % liegt. Zweitens in schwachen Börsenjahren: Der Basisertrag ist gedeckelt auf den Wertzuwachs des Jahres plus Ausschüttungen. Legt der Fonds weniger zu, als er ausschüttet, oder verliert er, versteuert der Thesaurierer weniger oder nichts, der ausschüttende Fonds aber seine volle Ausschüttung. Bei 10.000 € und −15 % sind das 150 € Ausschüttung, 105 € steuerpflichtig und 27,69 € Steuer, wenn der Pauschbetrag verbraucht ist. Der Thesaurierer zahlt in diesem Jahr nichts.

Über viele Jahre kommen zwei Dinge dazu, die in der Jahresrechnung nicht auftauchen: wann die Steuer fällig wird und wie viel Freibetrag jede Variante tatsächlich nutzt. Dazu gleich mehr.

Wie weit der Basiszins schwankt, zeigen die BMF-Schreiben der letzten Jahre:

JahrBasiszinsBasisertrag (× 0,7)
20180,87 %0,61 %
20190,52 %0,36 %
20200,07 %0,05 %
2021−0,45 %0 %
2022−0,05 %0 %
20232,55 %1,79 %
20242,29 %1,60 %
20252,53 %1,77 %
20263,20 %2,24 %

Bei negativem Basiszins fällt keine Vorabpauschale an. In den Jahren 2018 bis 2022 hatte der Thesaurierer also einen echten Vorteil, sobald der Pauschbetrag ausgeschöpft war: Er versteuerte fast nichts, während jede Ausschüttung steuerpflichtig war.

Wie viel Steuern auf ETFs grundsätzlich anfallen und wie der Freistellungsauftrag funktioniert, steht im Steuer-Ratgeber. Der oft gehörte Rat, oberhalb des Pauschbetrags thesaurierend zu wählen, trägt nach meiner Rechnung nur bei großen Depots oder einem anderweitig belegten Freibetrag und nur, solange der Basiszins unter etwa 2 % liegt. Beim Basiszins 2026 versteuert auch der ausschüttende Fonds in normalen Jahren nur den Basisertrag, und der Vorteil ist weg.

Der Sparplan über 25 Jahre

Mein Musterfall:

  • 200 € am Anfang jedes Monats, 25 Jahre lang, zusammen 60.000 €; zum Vergleich auch 100 € und 500 € im Monat
  • 7 % Wertentwicklung pro Jahr nach Kosten; der ausschüttende Fonds schüttet davon 1,5 % aus, verteilt auf vier Quartale, und die Ausschüttung wird nach Steuern mit der nächsten Monatsrate wieder angelegt
  • Single, keine Kirchensteuer, gleiche Kosten beider Varianten, keine Ordergebühren
  • die Steuer auf die Vorabpauschale wird im Januar fällig und mindert die Januar-Rate
  • nach 25 Jahren wird alles verkauft, aufgeteilt auf den 31. Dezember und den 2. Januar, damit der Freibetrag beider Jahre genutzt wird

Gerechnet habe ich Monat für Monat: Vorabpauschale mit der Kürzung um ein Zwölftel je Monat vor dem Kauf (§ 18 Abs. 2 InvStG), Ausschüttungen, Pauschbetrag in der Reihenfolge, in der die Erträge anfallen, und beim Verkauf die Anteile in der Reihenfolge, in der sie gekauft wurden (§ 20 Abs. 4 EStG). Für den Basiszins gibt es drei Annahmen: dauerhaft 3,20 % wie 2026, die tatsächliche Folge 2018 bis 2026 immer wieder von vorn, und die Folge 2018 bis 2022 immer wieder von vorn, also das Niedrigzinsniveau.

Wann der Pauschbetrag ausgeschöpft ist, hängt an der Depotgröße. Beim Basiszins 2026 belegt allein die Vorabpauschale (beim ausschüttenden Fonds Ausschüttung plus Vorabpauschale) den ganzen Freibetrag eines Singles ab einem Depotwert von ungefähr 63.800 €. Mit 100 € im Monat passiert das erst in den letzten ein bis zwei Sparjahren, mit 200 € ab dem 17. Jahr, mit 500 € ab dem 9. oder 10. Jahr. Dazu kommt ein vierter Fall: 200 € im Monat, aber der Freibetrag ist schon durch andere Erträge belegt, etwa durch ein zweites Depot oder Dividenden aus Einzelaktien.

Sparrate3,20 % dauerhaft2018–20262018–2022
100 €−206 €−1.181 €−1.589 €
200 €−204 €−1.972 €−2.808 €
500 €−112 €−1.613 €−2.283 €
200 €, Freibetrag belegt+177 €+1.247 €+2.056 €

Endbetrag nach Verkauf und allen Steuern, thesaurierend minus ausschüttend. Negativ heißt: der ausschüttende Fonds liegt vorn.

Mit eigenem Freibetrag bringt der Thesaurierer in der Ansparphase nicht mehr, er liegt sogar hinten. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € (§ 20 Abs. 9 EStG) gilt pro Kalenderjahr, und was du in einem Jahr nicht nutzt, verfällt. Wegen der Teilfreistellung deckt er 1.428,57 € Fondsertrag ab. Bei niedrigem Basiszins nutzt der Thesaurierer davon fast nichts: In den ersten 24 Sparjahren mit 200 € im Monat schöpft er beim Zinsniveau 2018 bis 2022 gerade 1.661 € aus, der ausschüttende Fonds 12.470 €. Beim Thesaurierer sammeln sich die Gewinne im Fonds und werden am Ende auf einmal fällig. Beim Basiszins 2026 ist der Abstand klein und hat einen anderen Grund: Die Ausschüttungen eines Jahres zählen in diesem Jahr, die Vorabpauschale erst im Januar danach. Der ausschüttende Fonds füllt den Freibetrag dadurch etwas früher und etwas vollständiger.

Ist der Freibetrag schon belegt, liegt der Thesaurierer vorn, beim heutigen Basiszins aber nur um 177 €. Das hat zwei kleine Gründe: Die Steuer auf die Quartalsausschüttungen wird ein paar Monate früher fällig als die auf die Vorabpauschale im Januar, und für frisch gekaufte Anteile wird die Vorabpauschale um die Zwölftel gekürzt, die Ausschüttung aber nicht. Bei niedrigem Basiszins wird daraus der klassische Stundungsvorteil: 1.247 € bei der Zinsfolge 2018 bis 2026, 2.056 € beim Niveau 2018 bis 2022. Das sind 0,9 bis 1,5 % des Endbetrags. Der Thesaurierer zahlt dabei insgesamt nicht weniger Steuern, er zahlt sie später.

Der Freibetrag lässt sich auch beim Thesaurierer nutzen

Es gibt einen dritten Weg: In jedem Jahr, in dem noch Freibetrag übrig ist, verkaufst du im Januar so viele Anteile, dass der Gewinn den Rest gerade füllt, und kaufst sofort wieder zurück. Das hebt deinen Einstandskurs an, ohne dass Steuer anfällt. Der Bundesfinanzhof hat Verkauf und Rückkauf derselben Wertpapiere am selben Tag nicht als Gestaltungsmissbrauch gewertet (Urteil vom 25.08.2009, IX R 60/07; im Streitfall ging es um realisierte Verluste).

Machen das beide, liegen sie in der Ansparphase gleichauf: Mit 200 € im Monat trennen sie bei allen drei Basiszins-Annahmen weniger als 100 €. Der Handgriff ist mehr wert als die Wahl der Variante: Beim Basiszins 2026 bringt er dem Thesaurierer 1.418 € und dem ausschüttenden Fonds rund 1.200 €. Ordergebühren und Spreads habe ich nicht eingerechnet; ein Broker mit günstigen Einzelorders ist dafür Voraussetzung.

Schwache Börsenjahre

Auf 25 Jahre gerechnet machen sie wenig aus. Ich habe den Sparplan mit 200 € im Monat noch einmal mit drei Crash-Jahren von je −15 % gerechnet (Jahre 6, 13 und 20), beim Basiszins 2026. Mit eigenem Freibetrag liegt der ausschüttende Fonds dann 538 € vorn statt 204 €: Nach jedem Crash-Jahr fällt beim Thesaurierer die Vorabpauschale weg, und sein Freibetrag verfällt im Folgejahr ungenutzt, während der ausschüttende Fonds ihn mit seinen Ausschüttungen füllt. Ist der Freibetrag belegt, liegt der Thesaurierer 217 € vorn statt 177 €.

Die Entnahmephase

Ich habe die Sparpläne von oben nicht verkauft, sondern 20 Jahre lang jeden Monat entnommen, so viel, dass ein großer Teil des Depots aufgebraucht wird: 12.000 € netto im Jahr beim Sparplan mit 200 € (bei 100 € die Hälfte, bei 500 € das 2,5-Fache, bei belegtem Freibetrag 11.000 €). Beim Thesaurierer kommt das Geld aus dem Verkauf von Anteilen, beim ausschüttenden Fonds zuerst aus den Ausschüttungen, der Rest aus Verkäufen. Was nach 20 Jahren übrig ist, wird verkauft. Ich vergleiche alles, was insgesamt herauskommt, also Entnahmen plus Rest; die Zahlen enthalten den Vorsprung aus der Ansparphase.

Sparrate3,20 % dauerhaft2018–20262018–2022
100 €−1.013 €−2.715 €−3.258 €
200 €−1.288 €−4.093 €−4.922 €
500 €−1.531 €+837 €+4.853 €
200 €, Freibetrag belegt−14 €+6.939 €+13.070 €

Entnahmen plus Restvermögen nach 25 Jahren Sparen und 20 Jahren Entnahme, nach allen Steuern, thesaurierend minus ausschüttend. Die Entnahmen sind in beiden Varianten gleich hoch.

Mit 100 oder 200 € im Monat und eigenem Freibetrag liegt der ausschüttende Fonds bei jeder Annahme vorn, mit 0,5 bis 2,4 % von allem, was herauskommt. Für 200 € habe ich das zusätzlich für jeden festen Basiszins von 1 bis 4 % gerechnet: Das Ergebnis dreht sich nie. Beim heutigen Basiszins liegt es am Verkaufen: Der Thesaurierer muss jede Entnahme durch Verkäufe decken und realisiert dabei seine aufgelaufenen Kursgewinne früher. Der ausschüttende Fonds deckt einen Teil aus Ausschüttungen, die ohnehin wie die Vorabpauschale besteuert werden. Dazu kommt der Vorsprung aus der Ansparphase, und bei niedrigem Basiszins lässt der Thesaurierer wie dort Freibetrag verfallen.

Bei großen Depots und bei belegtem Freibetrag hängt es am Basiszins. Beim heutigen Stand sind beide praktisch gleichauf, bei niedrigem Basiszins stundet der Thesaurierer über Jahrzehnte die Steuer auf die Dividenden. Beim Niveau 2018 bis 2022 gewinnt er so bis zu 13.070 €, das sind 4,9 % von allem, was in diesen 45 Jahren herauskommt. Auch das habe ich für jeden festen Basiszins von 1 bis 4 % durchprobiert: Unter etwa 2 % liegt der Thesaurierer vorn, darüber verliert er höchstens 0,12 % (belegter Freibetrag) bzw. 0,36 % (500 € im Monat). Wie der Basiszins in 30 Jahren steht, weiß niemand.

Zwei Annahmen verschieben das Bild. Mit der aktuellen Ausschüttungsrendite von 1,3 % statt 1,5 % liegt bei 500 € und der Zinsfolge 2018 bis 2026 knapp der ausschüttende Fonds vorn; an den übrigen Richtungen ändert sich nichts Wesentliches. Und ich rechne in der Entnahme mit dem vollen Abgeltungssatz. Wer im Ruhestand über die Günstigerprüfung einen niedrigeren persönlichen Steuersatz bekommt, verschiebt die Rechnung zugunsten des Thesaurierers, weil dessen Gewinne erst dann anfallen.

Der jährliche Verkauf und Rückkauf ändert an der Richtung nichts. Mit 200 € Sparrate liegt der ausschüttende Fonds über beide Phasen weiter vorn, mit 500 € der Thesaurierer bei niedrigem Basiszins, und zwar deutlicher als ohne.

Umschichten solltest du deswegen nicht. Wer zum Rentenbeginn den ganzen Thesaurierer verkauft und in den ausschüttenden Fonds geht, versteuert den aufgelaufenen Gewinn auf einmal. Mit 200 € Sparrate beim Basiszins 2026 kommen danach 10.786 € weniger heraus als ohne Wechsel. Schrittweise hilft beim heutigen Basiszins kaum: Dann belegt schon die Vorabpauschale den Freibetrag, ein steuerfreier Spielraum bleibt nicht.

Was wirklich den Unterschied macht

Was den Endbetrag nach 25 Jahren bewegtMehr Geld am Ende, jeweils für die genannte Wahl, 200 € im Monat
Ausschüttend statt thesaurierend (eigener Freibetrag, Basiszins 2026)204 €
Freibetrag jährlich per Verkauf und Rückkauf nutzen (Thesaurierer, Basiszins 2026)1.418 €
Thesaurierend statt ausschüttend (Freibetrag belegt, Niveau 2018–2022)2.056 €
Ausschüttend statt thesaurierend (eigener Freibetrag, Niveau 2018–2022)2.808 €
0,3 Prozentpunkte niedrigere Kostenquote (Thesaurierer, Basiszins 2026)5.580 €

Musterfall: 200 € im Monat, 25 Jahre, 7 % p. a. Wertentwicklung, 1,5 % Ausschüttung, Single, keine Kirchensteuer, Verkauf nach 25 Jahren. Kostenquote: 6,7 % statt 7,0 % Wertentwicklung, sonst gleiche Annahmen.

In der Ansparphase ist die Wahl der Ertragsverwendung in jedem gerechneten Fall kleiner als der Unterschied bei der Kostenquote. 0,3 Prozentpunkte mehr Kosten schlucken 5.580 €, rund das Doppelte des größten Steuerunterschieds. Über Ansparen und Entnehmen zusammen sind es im Fall mit dem größten Vorsprung des Thesaurierers (Freibetrag belegt, Niveau 2018 bis 2022) 31.092 €, mehr als doppelt so viel wie die 13.070 € Vorsprung. Die Kostenquote hängt am Fonds, nicht an der Ertragsverwendung: Der ausschüttende iShares MSCI World (IE00B0M62Q58) kostet laut justETF 0,50 % pro Jahr, der ebenfalls ausschüttende Xtrackers MSCI World 1D (IE00BK1PV551) 0,12 % (Stand: September 2026). Eine Übersicht günstiger Welt-ETFs findest du bei den Aktien-ETFs.

Bleibt die Bequemlichkeit, und die ist ein echtes Argument:

Thesaurierend
  • +Dividenden werden im Fonds automatisch wieder angelegt
  • +Keine Ausschüttungen, die ungenutzt auf dem Konto liegen
  • +Bei niedrigem Basiszins und großem Depot wird die Steuer bis zum Verkauf gestundet
Thesaurierend: Haken
  • −Die ganze Steuer wird im Januar abgebucht, ohne dass Geld zufließt; dafür muss Guthaben auf dem Verrechnungskonto liegen
  • −Den Freibetrag nutzt er nur voll, wenn du selbst verkaufst und zurückkaufst
  • −In der Entnahme musst du selbst Anteile verkaufen
Ausschüttend
  • +Regelmäßige Zahlungen, ohne Anteile zu verkaufen
  • +Nutzt den Pauschbetrag auch bei niedrigem Basiszins, ohne dass du etwas tun musst
  • +Bei kleinen und mittleren Sparplänen über Ansparen und Entnehmen leicht im Vorteil
Ausschüttend: Haken
  • −Ausschüttungen landen auf dem Konto und müssen selbst wieder angelegt werden
  • −In schwachen Börsenjahren steuerpflichtige Ausschüttung, was bei belegtem Freibetrag Geld kostet
  • −Manchmal nur als kleinerer oder teurerer Fonds zu haben

Ehepaare, die zusammen veranlagt werden, haben einen gemeinsamen Pauschbetrag von 2.000 €. Beim Basiszins 2026 reicht der bis zu einem Depotwert von ungefähr 127.600 €, beim Single sind es rund 63.800 €. Darunter zahlst du mit beiden Varianten während der Ansparphase in normalen Jahren keine Steuern.

Meine Einschätzung

Solange dein Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft ist, bringt der Thesaurierer in der Ansparphase nach Steuern nicht mehr. Ohne eigenes Zutun liegt sogar der ausschüttende Fonds vorn, mit jährlichem Verkauf und Rückkauf sind beide in der Ansparphase gleichauf. Der Unterschied liegt dann tatsächlich vor allem in der Bequemlichkeit.

Für die meisten Sparpläne gilt das auch darüber hinaus. Mit 100 oder 200 € im Monat und eigenem Freibetrag liegt der ausschüttende Fonds über Ansparen und Entnehmen bei jedem gerechneten Basiszins vorn, mit 0,5 bis 2,4 % von allem, was herauskommt. Anders, wenn schon andere Depots und Dividenden deinen Freibetrag belegen: Dann gewinnt der Thesaurierer bei niedrigem Basiszins in den gerechneten Fällen bis zu 4,9 % und verliert bei höherem höchstens 0,12 %. Weil niemand den Basiszins der nächsten Jahrzehnte kennt, würde ich in diesem Fall zum Thesaurierer greifen. Bei einem großen Depot mit eigenem Freibetrag ist es knapper: Mit 500 € im Monat gewinnt der Thesaurierer bei niedrigem Basiszins in den gerechneten Fällen rund 1 % und verliert bei höherem bis zu 0,36 %. Das ist eine Wette auf den Basiszins, keine klare Empfehlung.

Wichtiger als beides ist die Kostenquote. Gibt es beide Varianten zum gleichen Preis und bist du in der ersten Gruppe, entscheidet dein Alltag: Wer einen Sparplan laufen lässt und nicht jedes Quartal Ausschüttungen wieder anlegen will, nimmt den thesaurierenden und verzichtet damit je nach Basiszins auf 0,5 bis 2,4 %, mit jährlichem Verkauf und Rückkauf auf 0,3 bis 1,2 %. Wer die Zahlungen sehen will, nimmt den ausschüttenden. Er muss die Ausschüttungen aber auch wirklich jedes Mal wieder anlegen, und das möglichst ohne Ordergebühren, sonst schrumpft sein kleiner Vorsprung. Bleiben sie mit 200 € Sparrate 25 Jahre lang unverzinst auf dem Konto liegen, liegt der Thesaurierer beim Basiszins 2026 um 11.400 € vorn. Und wer noch ganz am Anfang steht, findet die übrigen Schritte zum ersten Sparplan im Einsteiger-Ratgeber.

Den Endwert deines eigenen Sparplans vor Steuern kannst du im ETF-Sparplan-Rechner durchspielen.

Häufige Fragen

Nicht unbedingt. Mit eigenem Freibetrag zahlt er oft sogar mehr, weil er Freibetrag verfallen lässt; ist der Freibetrag belegt, zahlt er meist nur später. Die Vorabpauschale setzt 2026 2,24 % des Fondswerts an, ein Welt-ETF schüttet rund 1,5 % aus. Beim ausschüttenden Fonds kommt die Differenz als Vorabpauschale obendrauf, sodass beide in normalen Jahren denselben Betrag versteuern. Einen spürbaren Stundungsvorteil hat der Thesaurierer nur bei einem Basiszins unter etwa 2 % und wenn dein Depot groß ist oder andere Erträge den Freibetrag belegen. Ist der Freibetrag belegt, zahlt er außerdem in schwachen Börsenjahren später, weil dann die Vorabpauschale entfällt, die Ausschüttung aber nicht.

Ja. Liegt die Ausschüttung eines Jahres unter dem Basisertrag, wird die Differenz als Vorabpauschale angesetzt (§ 18 InvStG). Bei 10.000 € Fondswert waren das 2026 zum Beispiel 224 € Basisertrag minus 150 € Ausschüttung, also 74 €.

Alle Vorabpauschalen, die für die verkauften Anteile angesetzt wurden, werden vom Verkaufsgewinn abgezogen, in voller Höhe und unabhängig von der Teilfreistellung (§ 19 InvStG). Die Vorabpauschale ist also eine vorgezogene Steuer, keine zusätzliche.

In meiner Rechnung nicht. Wer den Thesaurierer auf einen Schlag verkauft, versteuert den ganzen aufgelaufenen Gewinn. Im Musterfall mit 200 € Sparrate kommen nach dem Wechsel 10.786 € weniger heraus als ohne.

Quellen

  • Bundesministerium der Finanzen: Basiszins zur Berechnung der Vorabpauschale zum 2. Januar 2026, 3,20 % (BMF-Schreiben vom 13.01.2026)
  • Bundesministerium der Finanzen: Basiszins-Schreiben vom 04.01.2018, 09.01.2019, 29.01.2020, 06.01.2021, 07.01.2022, 04.01.2023, 05.01.2024 und 10.01.2025
  • Investmentsteuergesetz in der Fassung 2026: § 18 (Vorabpauschale), § 19 (Veräußerungsgewinn), § 20 (Teilfreistellung)
  • Einkommensteuergesetz in der Fassung 2026: § 20 Abs. 4 und Abs. 9 (Reihenfolge beim Verkauf, Sparer-Pauschbetrag), § 32d Abs. 1 (Abgeltungsteuer 25 %)
  • Solidaritätszuschlaggesetz in der Fassung 2026: 5,5 % auf die Abgeltungsteuer
  • Bundesfinanzhof: Urteil vom 25.08.2009, IX R 60/07 (Verkauf und Rückkauf am selben Tag)
  • Vanguard: Factsheet FTSE All-World UCITS ETF, Stand 31.07.2026
  • justETF: Profile Vanguard FTSE All-World Dist (IE00B3RBWM25), iShares MSCI World Dist (IE00B0M62Q58), Xtrackers MSCI World 1D (IE00BK1PV551), abgerufen September 2026
  • Eigene Berechnung: Monat-für-Monat-Simulation mit den oben genannten Annahmen

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung. Bei individuellen Fragen wende dich an einen Steuerberater.