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Rürup-Rente: Steuern sparen oder Geld einsperren?

Bis zu 47 % vom Beitrag zahlt das Finanzamt. Ich habe gerechnet, was die Rürup-Rente mit ETF danach wirklich bringt und wann ein Depot die bessere Wahl ist.

500 € einzahlen, 265 € bezahlen

Wer als Selbstständige 90.000 € im Jahr versteuert und 500 € im Monat in eine Rürup-Rente steckt, bekommt davon 235 € vom Finanzamt zurück. Der Vertrag kostet sie netto 265 € im Monat. Kein anderes privates Vorsorgeprodukt bringt in dieser Einkommensklasse so viel Steuer zurück, und bis zum 31. Dezember gezahlte Beiträge zählen noch für 2026.

Der Preis dafür: Das Geld ist weg, bis die Rente beginnt. Kündigen geht nicht, auszahlen lassen geht nicht, vererben nur eingeschränkt. Am Ende steht eine lebenslange Monatsrente, die voll oder fast voll versteuert wird.

Meine These vorab: Rürup lohnt sich nur für Selbstständige und Gutverdiener nahe dem Spitzensteuersatz, und auch dann nur in einem günstigen ETF-Tarif. Für alle anderen wiegt der Steuervorteil die fehlende Verfügbarkeit nicht auf.

Die Zahlen bestätigen das im Kern und fügen zwei Bedingungen hinzu, die ich unterschätzt hatte. In meinem Musterfall bringt Rürup 30 bis 58 % mehr lebenslange Rente als ein Depot, das man später verrentet, und gut die Hälfte mehr Monatseinkommen als eine vorsichtige Entnahme aus dem Depot. Unterhalb des Spitzensteuersatzes schrumpft der Vorsprung auf 2 bis 25 %, und dafür ist die Bindung zu teuer. Ein Selbstläufer ist Rürup aber auch für Spitzenverdiener nicht: Das Depot bleibt verfügbar und vererbbar und kann dieselbe Rente bei ruhigem Börsenverlauf bis Mitte 90 zahlen. Und zwei Dinge entscheiden so viel wie der Steuersatz heute: die Krankenversicherung im Ruhestand und der Steuersatz im Ruhestand.

30.826 €

Höchstbetrag 2026, abzüglich Rentenbeiträgen

47 %

Steuerersparnis bei 90.000 € Einkommen

95 %

der Rente steuerpflichtig bei Rentenbeginn 2048

Was die Rürup-Rente ist

Die Rürup-Rente heißt im Gesetz Basisrente und ist eine private Rentenversicherung oder ein Fondssparplan mit staatlich festgelegten Regeln. Das Einkommensteuergesetz erlaubt den Steuerabzug nur, wenn der Vertrag eine monatliche lebenslange Rente zahlt, und zwar frühestens ab 62. Die Ansprüche dürfen „nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar“ sein (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG).

RegelGilt
Kündigen und Geld zurücknein
Einmalauszahlung zum Rentenbeginnnein
Beiträge senken oder aussetzenja
Rente vor 62nein
Vererben an beliebige Personennein
Rente für Ehepartner und Kinder mit Kindergeld, wenn vereinbartja
Schutz vor Pfändung in der Ansparphasebegrenzt

Der Hinterbliebenenschutz kostet Rente: Je mehr für den Todesfall vereinbart ist, desto niedriger fällt die eigene Rente aus. Was ohne ihn beim Tod vor Rentenbeginn mit dem Guthaben geschieht, regelt der Tarif; bei Versicherungen verfällt es dann in der Regel zugunsten der übrigen Versicherten. Der Pfändungsschutz gilt nach § 851c ZPO für 7.000 € Einzahlung im Jahr und insgesamt 340.000 €; für Selbstständige, die mit ihrem Privatvermögen haften, ist das ein echtes Argument.

Wer aussetzt, zahlt die Vertragskosten weiter aus dem Guthaben. Ein beitragsfreier Vertrag mit kleinem Guthaben und hohen Fixkosten kann deshalb schrumpfen.

Wie viel das Finanzamt zurückgibt

Rürup-Beiträge sind Altersvorsorgeaufwendungen und seit 2023 zu 100 % als Sonderausgaben absetzbar. Der Höchstbetrag liegt 2026 bei 30.826 € im Jahr, für zusammen veranlagte Paare beim Doppelten. In denselben Topf fallen aber die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und zu Versorgungswerken, bei Angestellten samt Arbeitgeberanteil.

Eine Selbstständige ohne Pflichtbeiträge hat also die vollen 30.826 € zur Verfügung. Bei Angestellten bleibt weniger:

Bruttogehalt 2026Platz für Rürup
45.000 €22.456 €
60.000 €19.666 €
80.000 €15.946 €
100.000 €12.226 €
ab 101.400 €11.966 €

Alleinstehende, Höchstbetrag abzüglich 18,6 % Rentenbeitrag auf das Gehalt. Bei Beamten wird der Höchstbetrag um einen fiktiven Rentenbeitrag gekürzt.

Wie viel von einem Beitrag zurückkommt, hängt am Einkommen. Für 6.000 € Jahresbeitrag habe ich es mit dem Steuertarif 2026 durchgerechnet, für Alleinstehende und mit Solidaritätszuschlag:

Einkommen vor dem BeitragErsparnis
40.000 €30,6 %
60.000 €37,5 %
80.000 €46,2 %
90.000 € bis 115.000 €47,0 %
150.000 €44,3 %

Zu versteuerndes Einkommen, bevor der Beitrag abgezogen ist. Jeweils auf 6.000 € im Jahr, ohne Kirchensteuer.

Die 47 % sind kein Tippfehler. Der Spitzensteuersatz beträgt 42 %, aber zwischen rund 75.000 € und 116.600 € zu versteuerndem Einkommen setzt der Solidaritätszuschlag gleitend ein und hebt die Belastung des letzten Euro auf 47 %. Darüber sind es 44,3 %.

Auf der anderen Seite steht die Steuer auf die Rente. Wer 2026 in Rente geht, versteuert 84 % seiner Rürup-Rente, und der Anteil steigt für jeden neuen Rentnerjahrgang um einen halben Prozentpunkt. Bei Rentenbeginn 2048 sind es 95 %, ab 2058 sind es 100 % (§ 22 EStG). Das ganze Modell ist also eine Wette darauf, dass der Steuersatz im Ruhestand niedriger ist als heute.

Krankenkasse: Auf den Status kommt es an

Bei der gesetzlichen Rente gehen im Ruhestand Kassenbeiträge ab. Bei der Rürup-Rente hängt es vom Versicherungsstatus ab, und der Unterschied ist groß.

Im RuhestandBeitrag auf Rürup
pflichtversichert in der Krankenversicherung der Rentnerkeiner
privat versichertkeiner
freiwillig gesetzlich versichertrund 20,5 %

Freiwillig Versicherte: ermäßigter Beitragssatz 14,0 % plus durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 % plus Pflegeversicherung 3,6 % (Kinderlose 4,2 %), Stand 2026, bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Pflichtversicherte Rentner zahlen nur auf die gesetzliche Rente, auf Betriebsrenten und ähnliche Versorgungsbezüge und auf Arbeitseinkommen (§ 237 SGB V). Eine private Rürup-Rente gehört nicht dazu. Freiwillig Versicherte zahlen dagegen auf alle Einnahmen, auch auf private Renten und auf Kapitalerträge aus einem Depot.

Für gesetzlich versicherte Selbstständige ist das die entscheidende Vorfrage, und sie lässt sich gestalten. In die Krankenversicherung der Rentner kommt, wer einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente hat und in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu mindestens neun Zehnteln gesetzlich versichert war (§ 5 Abs. 1 Nr. 11 SGB V). Die freiwillige Mitgliedschaft zählt dabei mit. Wer immer freiwillig gesetzlich versichert war, dem fehlt also nur die gesetzliche Rente, und für die genügen fünf Beitragsjahre; viele haben sie schon aus einer früheren Anstellung. Eine Ausnahme gilt für alle, die im Rentenalter hauptberuflich selbstständig weiterarbeiten: Sie bleiben freiwillig versichert (§ 5 Abs. 5 SGB V).

Das ist billiger, als es klingt. 60 freiwillige Mindestbeiträge kosten 2026 je 112,16 €, zusammen rund 6.730 €, und bringen nach heutigem Wert knapp 30 € Monatsrente. Im Musterfall unten spart das im Ruhestand 161 € Kassenbeitrag auf die Rürup-Rente, jeden Monat; nach Steuern sind es rund 120 €. Ob die neun Zehntel im eigenen Fall erfüllt sind, sagt die Krankenkasse; das sollte vor dem Abschluss geklärt sein.

Kosten und Rentenfaktor: Wo sich die Tarife unterscheiden

Zwei Zahlen entscheiden, was aus den Beiträgen wird.

Die erste sind die Kosten in der Ansparphase. Finanztip hat im zweiten Halbjahr 2023 die ETF-Tarife ohne Garantie von 18 Anbietern untersucht und drei empfohlen: die Europa (Tarif E-BRI), den Nettotarif der Condor (C79-H), den es nur über Honorarberater gibt, und den Rürup-Fondssparplan von Raisin Pension mit der Sutor Bank. Raisin nennt seine Kosten offen: 36 € im Jahr plus 0,4 % vom Guthaben, dazu kommen die Kosten der ETFs (Stand: Januar 2026). Die Stiftung Warentest hat im Mai 2026 39 Rürup-Angebote bewertet, darunter 29 Fondspolicen, und nur 4 für gut befunden.

Wie teuer es werden kann, zeigt ausgerechnet ein empfohlener Tarif: Das Muster-Produktinformationsblatt der Europa (Stand Dezember 2025) weist für 100 € Monatsbeitrag über 20 Jahre Effektivkosten von 2,04 Prozentpunkten im Jahr aus. Ich rechne mit zwei Varianten: einem günstigen Tarif mit 0,4 % plus 36 € und einem teuren mit 1,8 % vom Guthaben, jeweils zuzüglich 0,2 % für den ETF. Die 1,8 % sind meine Annahme für einen Vertrag mit rund 2 % Effektivkosten, kein bestimmter Tarif.

Die zweite ist der Rentenfaktor. Er sagt, wie viel Monatsrente es je 10.000 € Guthaben gibt. Die Europa nennt in ihrem Musterblatt für einen Rentenbeginn mit 67 im Jahr 2046 einen garantierten Faktor von 28,45 €; die Kosten der Rentenphase sind darin schon enthalten. Für Raisin, wo die MyLife die Rente zahlt, zitiert der Honorarvermittler GN Finanzpartner aus einem Kundenfall vom Dezember 2025 28,33 €; dort gehen nach seinen Angaben noch 0,5 % vom Kapital und 1,8 % von jeder Rente ab, es bleiben rund 27,70 €. Ich rechne mit 28 € nach Kosten.

Was 28 € bedeuten: Aus 100.000 € werden 280 € im Monat, das sind 3,36 % im Jahr. Erst nach knapp 30 Jahren Rentenbezug, kurz vor dem 97. Geburtstag, ist das Kapital ohne Zinsen wieder ausgezahlt. Der Versicherer kalkuliert mit sehr langen Leben und vorsichtigen Zinsen. Überschüsse können die Rente erhöhen, garantiert sind sie nicht: Mit den heutigen Überschüssen kommt das Musterblatt der Europa auf 42 € je 10.000 €, die Hälfte mehr als garantiert. Ich rechne durchgehend mit dem garantierten Wert. Das ist vorsichtig für Rürup, denn für Depot und gesetzliche Rente gibt es keine Garantie, nur Annahmen. Der garantierte Faktor steht im Produktinformationsblatt, und dort lohnt der Blick darauf, ob er auch für spätere Erhöhungen und Zuzahlungen gilt.

Die Rechnung: 500 € im Monat mit 45

Meine Musterperson ist 45, selbstständig, alleinstehend und versteuert 90.000 € im Jahr. Sie zahlt 22 Jahre lang 500 € im Monat in einen günstigen ETF-Rürup und geht 2048 mit 67 in Rente. Auf die Rürup-Rente fallen im Ruhestand keine Kassenbeiträge an, weil sie privat versichert ist oder sich den Weg in die Krankenversicherung der Rentner gesichert hat.

Die 6.000 € im Jahr senken ihre Steuer um 2.820 €. Netto kostet der Vertrag 3.180 € im Jahr oder 265 € im Monat.

Ich vergleiche zwei Wege mit demselben Nettoaufwand:

Weg A: 500 € im Monat in den Rürup-Vertrag.

Weg B: 265 € im Monat in einen thesaurierenden Welt-Aktien-ETF im eigenen Depot.

Für den ETF nehme ich auf beiden Wegen 7 % Rendite im Jahr an wie in unseren Rechnern, abzüglich 0,2 % Fondskosten. Das ist eine Annahme, keine Garantie, und sie unterstellt gleichmäßige 7 % ohne Kurseinbrüche. Steuertarif und Beitrag bleiben in der Rechnung auf dem Stand von 2026, das Depot bekommt die 265 € vom ersten Monat an. Im Depot fällt die Steuer erst beim Verkauf an, mit 30 % Teilfreistellung; der Sparerpauschbetrag ist anderweitig verbraucht, die Vorabpauschale habe ich weggelassen.

Den Steuersatz im Ruhestand muss ich schätzen. Ich setze 25 % auf den letzten Euro an. Das passt, wenn die Musterperson neben der Rürup-Rente noch andere steuerpflichtige Einkünfte hat, nach heutigem Tarif und in heutigen Werten rund 20.000 € im Jahr, etwa Mieten oder eine weitere Rente. Lebt sie sonst nur von Erspartem, ist ihr Steuersatz viel niedriger; die Varianten dazu stehen weiter unten.

Mit 67RürupDepot
Guthaben281.000 €157.600 €
davon eingezahlt (netto)69.960 €69.960 €
Monatsrente brutto787 €–
Monatsrente netto600 €–
Wert nach Steuern–141.400 €

Rürup: 0,4 % plus 36 € Vertragskosten im Jahr, Rentenfaktor 28 € nach Kosten, 25 % Steuersatz im Ruhestand auf 95 % der Rente. Depot: Wert, wenn mit 67 alles auf einmal verkauft wird.

Das Rürup-Guthaben ist gut drei Viertel größer, weil das Finanzamt 47 % jeder Einzahlung trägt. Übrig bleiben davon 600 € Nettorente im Monat, lebenslang, ohne Anpassung an die Inflation. Das sind Euro von 2048: Bei 2 % Inflation entsprechen sie zum Rentenbeginn der Kaufkraft von 388 € heute.

Den Depot-Weg kannst du im ETF-Sparplan-Rechner nachstellen: kein Startkapital, 265 € Sparrate, 22 Jahre, 6,8 % Rendite ohne weitere Kosten. Er zeigt den Wert vor Steuern und kann je nach Verzinsung um ein paar Prozent von meinen 157.600 € abweichen.

Drei Arten, aus dem Depot eine Rente zu machen

Was das Depot dagegen leistet, hängt davon ab, wie man es im Ruhestand nutzt. Ich habe drei Wege gerechnet.

Erstens: dieselbe Rente entnehmen. Die Musterperson entnimmt ab 67 jeden Monat so viel, dass nach Steuern genau 600 € übrig bleiben. Im ersten Jahr sind das 665 € brutto im Monat oder 5,1 % des Depots.

Rendite des Depots im RuhestandDepot reicht bis
6,8 % wie in der Ansparphaseunbegrenzt
5 %unbegrenzt
4 %102
3 %95
3 % Zinsen statt ETF93

Rendite nach Fondskosten. Letzte Zeile: mit 67 alles verkauft und in Zinsanlagen umgeschichtet, Zinsen jedes Jahr versteuert.

Läuft das Depot weiter mit 6,8 %, wächst es trotz Entnahme und ist mit 90 nach Steuern rund 227.600 € wert. Bei 3 % im Schnitt reicht es bis 95. Damit es schon mit 90 leer ist, dürfte es nur 1,5 % im Jahr bringen.

Diese Tabelle hat eine Schwäche, und sie ist groß: Sie rechnet mit gleichmäßigen Renditen. Wer 5 % im Jahr aus einem Aktiendepot entnimmt und in den ersten Rentenjahren einen Einbruch erwischt, ist deutlich früher blank. Im Entnahmeplan habe ich gezeigt, warum ich für 30 Jahre Ruhestand nur 3 bis 3,5 % für robust halte.

Zweitens: vorsichtig entnehmen. Mit 3,25 % im Jahr gibt das Depot 427 € brutto und 385 € netto im Monat her, dafür mit Inflationsausgleich. Die Rürup-Rente liegt zum Start 56 % darüber. Bei 2 % Inflation dauert es gut 22 Jahre, bis die steigende Entnahme die feste Rente erreicht hat; die Musterperson ist dann 89. Dafür ist das Depot bei diesem Tempo voraussichtlich noch da und geht an die Erben.

Drittens: das Depot verrenten. Wer wie bei Rürup eine garantierte lebenslange Rente will, kann mit 67 verkaufen und von dem Geld eine Sofortrente bei einem Versicherer kaufen. Versteuert wird davon nur ein Ertragsanteil von 17 %. Was eine Sofortrente 2048 zahlt, weiß heute niemand. Mit demselben Faktor von 28 € werden aus 141.400 € netto 379 € im Monat. Zahlt der Markt dann ein Fünftel mehr, also 34 €, sind es 460 €. Bei der Europa bekäme in diesem Fall allerdings auch der Rürup-Kunde den höheren Faktor; die 460 € sind also nur gegen einen Tarif ohne diese Regel der richtige Vergleich.

Monatliches Nettoeinkommen aus 265 € im MonatMusterfall: 22 Jahre Ansparen, 47 % Steuerersparnis, Rente ab 67
Rürup-Rente, günstiger ETF-Tarif600 €
Rürup-Rente, teurer Tarif504 €
Depot, dann Sofortrente (34 € je 10.000 €)460 €
Depot, Entnahme 3,25 % mit Inflationsausgleich385 €
Depot, dann Sofortrente (28 € je 10.000 €)379 €

Im ersten Rentenjahr, nach Einkommensteuer bei 25 % Steuersatz im Ruhestand, ohne Kassenbeiträge. ETF mit 6,8 % nach Fondskosten. Teurer Tarif: 1,8 % statt 0,4 % Vertragskosten im Jahr. Die Renten bleiben nominal gleich, die Entnahme steigt mit der Inflation.

Gegen eine andere garantierte Rente gewinnt Rürup klar: 58 % mehr bei gleichem Rentenfaktor und immer noch 30 %, wenn die Sofortrente ein Fünftel mehr zahlt. Gegen die vorsichtige Entnahme sind es zum Start 56 % mehr Monatseinkommen. Das ist der Vorteil, den die 47 % vom Finanzamt kaufen.

Meine These hält für diesen Fall. Was die Rechnung aber auch zeigt: Der Vorsprung ist ein Vorsprung an sicherem Monatseinkommen, kein Vermögensvorsprung. Das Depot ist mit 67 nach Steuern 141.400 € wert, über die man verfügen kann, der Rürup-Vertrag ist null wert, sobald man stirbt. Wer mit 80 stirbt, hat aus Rürup 13 Jahre Rente bekommen, netto rund 94.000 €, und hinterlässt nichts.

Woran das Ergebnis hängt

Ich habe den Musterfall in mehrere Richtungen verschoben. Die zweite Spalte zeigt die Rürup-Nettorente, die dritte, bis zu welchem Alter das Depot dieselbe Nettorente zahlen kann, wenn es im Ruhestand gleichmäßig 3 % bringt. Je früher das Depot leer ist, desto besser steht Rürup da.

VarianteRürup nettoDepot bis
Musterfall600 €95
teurer Tarif (1,8 % statt 0,4 %)504 €105
Rentenfaktor 24 €514 €103
Rentenfaktor 32 €686 €90
Steuersatz im Ruhestand 0 %787 €89
Steuersatz im Ruhestand 15 %675 €92
Steuersatz im Ruhestand 35 %525 €101
Rente steigt 1 % im Jahr600 €91
im Ruhestand freiwillig gesetzlich versichert479 €102

Jeweils nur dieser eine Wert geändert. Letzte Zeile: 20,5 % Kassenbeitrag auf die Rürup-Rente und auf 70 % der Kursgewinne aus dem Depot; die Beiträge mindern die Steuer.

Drei Hebel sind etwa gleich groß und kosten jeweils rund 100 € Rente im Monat: ein teurer Tarif, ein niedriger Rentenfaktor und die freiwillige Krankenversicherung. Der Steuersatz im Ruhestand wirkt in beide Richtungen. Wer im Alter wenig anderes Einkommen hat, zahlt auf die Rürup-Rente kaum Steuer, und dann ist sie dem Depot deutlich überlegen: 787 € im Monat, die das Depot bei 3 % Rendite selbst ohne jede Steuer nur bis 89 durchhält. Wer im Ruhestand weiter hoch besteuert wird, behält vom Steuerabzug heute entsprechend weniger.

Auf die ETF-Rendite kommt es für diesen Vergleich dagegen kaum an, weil sie beide Wege gleich trifft. Mit 5 % statt 7 % in der Ansparphase sind es 468 € Rürup-Rente, und das kleinere Depot reicht bei 3 % im Ruhestand bis 96.

Und mit weniger Einkommen?

Dieselbe Rechnung für drei Angestellte, alle 45, alleinstehend, 500 € Monatsbeitrag in denselben günstigen Tarif:

BruttogehaltErsparnisVorsprung
100.000 €47 %23 bis 50 %
60.000 €33 %3 bis 25 %
45.000 €29 %2 bis 24 %

Gesetzlich versichert, Beitragssätze für Versicherte mit Kind. Steuersatz im Ruhestand: 30 %, 25 % und 20 %. Vorsprung: so viel höher ist die Rürup-Nettorente als auf dem Weg „Depot, dann Sofortrente“, bei 34 € und bei 28 € je 10.000 €.

Bei 60.000 € Gehalt kostet der Vertrag netto 335 € im Monat, und das Depot aus diesen 335 € ist mit 67 rund 199.100 € wert. Es zahlt die 600 € Rürup-Nettorente auch bei 3 % Rendite, bis die Besitzerin 109 ist. Gegen die Sofortrente bleibt ein Vorsprung von 3 bis 25 %, je nach Rentenfaktor, in einem teuren Tarif sind es minus 13 bis plus 5 %. Ein Viertel mehr Rente im besten Fall ist nicht nichts. Mir wäre es zu wenig dafür, 22 Jahre lang jede Verfügung über das Geld aufzugeben.

In diesem Teil hält meine These, als Abwägung und nicht als Rechenergebnis: Unterhalb des Spitzensteuersatzes bleibt vom Steuervorteil zu wenig, um die Bindung zu rechtfertigen.

Der Weg, den viele übersehen: die gesetzliche Rente

Die Rürup-Rente teilt sich den Steuertopf mit der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer sie erwägt, kann Geld mit derselben Steuerersparnis auch dorthin zahlen: Selbstständige als freiwillige Beiträge, 2026 bis zu 1.571,70 € im Monat. Angestellte können das ab 50 mit einer Sonderzahlung, allerdings nur bis zu dem Betrag, der die Abschläge einer vorgezogenen Rente ausgleicht; die Einzelheiten stehen im Artikel Rentenpunkte kaufen.

Die gesetzliche Rente hat keinen ETF und keine Rendite von 7 %. Dafür kostet sie keine Vertragsgebühren, und sie wird in der Regel jedes Jahr angepasst. Ich habe 6.000 € im Jahr auf beiden Wegen verglichen. Für die Rentenversicherung nehme ich an, dass die Löhne um 3 % im Jahr steigen und der Beitragssatz von heute 18,6 % ab 2028 auf knapp 20 % und bis 2039 auf 21,2 % klettert, wie es der Rentenversicherungsbericht 2025 vorausberechnet. Die Renten steigen in meiner Rechnung um 2 % im Jahr; in Klammern steht der Wert bei 2,8 %, mit dem derselbe Bericht rechnet.

Monatsrente bruttoRürupGesetzliche Rente
Start mit 45, mit 67787 €610 € (724 €)
Start mit 45, mit 85787 €871 € (1.190 €)
Start mit 55, mit 67298 €319 € (350 €)
Start mit 55, mit 85298 €456 € (576 €)

Rürup mit 7 % ETF-Rendite und garantiertem Rentenfaktor ohne Überschüsse, also konstant. Gesetzliche Rente nach meinen Annahmen, vor Kranken- und Pflegeversicherung.

Wer mit 45 anfängt, startet mit Rürup höher, wird von der gesetzlichen Rente aber im Lauf des Ruhestands überholt. Dieser Startvorsprung hängt allein an den 7 %: Bringt der ETF nur 5 %, sind es 613 € Rürup-Rente, und die gesetzliche Rente liegt vom ersten Tag an gleichauf oder vorn. Wer mit 55 anfängt, hat brutto mit der gesetzlichen Rente von Anfang an mehr, weil dem ETF nur zwölf Jahre bleiben, um den niedrigen Rentenfaktor auszugleichen.

Netto verschiebt die Krankenkasse das Bild, in beide Richtungen:

Monatsrente netto mit 67RürupGesetzlich
Start mit 45, pflichtversichert600 €408 € (485 €)
Start mit 45, privat versichert600 €505 € (600 €)
Start mit 55, pflichtversichert231 €218 € (239 €)
Start mit 55, privat versichert231 €268 € (295 €)

25 % Steuersatz im Ruhestand. Pflichtversicherte Rentner zahlen auf die gesetzliche Rente 12,35 % Kranken- und Pflegebeitrag, auf Rürup nichts. Privat Versicherte bekommen zur gesetzlichen Rente 8,75 % Zuschuss.

Für pflichtversicherte Rentner ist Rürup beim Start mit 45 netto klar höher und beim Start mit 55 etwa gleichauf; die gesetzliche Rente holt danach mit jeder Anpassung auf. Für privat Versicherte ab 55 ist die gesetzliche Rente von Anfang an die bessere Wahl. Auch freiwillig gesetzlich Versicherte bekommen zur gesetzlichen Rente den Zuschuss, während auf die Rürup-Rente der volle Beitrag fällig wird.

Obendrauf gibt es bei der gesetzlichen Rente eine Hinterbliebenenrente ohne Aufpreis. Wer als Selbstständiger Pflichtbeiträge zahlt, erwirbt außerdem Schutz bei Erwerbsminderung. Dafür ist sie ein Versprechen der Politik und kein Guthaben.

Erst das Altersvorsorgedepot, dann Rürup

Ab 2027 kommt mit dem Altersvorsorgedepot ein zweites gefördertes Produkt mit ETFs, und anders als Riester steht es auch Selbstständigen und Freiberuflern offen, die eine Steuererklärung abgeben. Es wird über Zulagen und einen eigenen Sonderausgabenabzug gefördert und belegt den Rürup-Höchstbetrag nicht.

Gefördert werden dort eigene Einzahlungen bis 1.800 € im Jahr, mit bis zu 540 € Grundzulage; wer viel Steuern zahlt, bekommt stattdessen über den Sonderausgabenabzug für Einzahlung plus Zulage etwa so viel zurück wie bei Rürup. Die Förderung je Euro ist also ähnlich, aber das Geld ist weniger streng gebunden: Im Alter sind ein Auszahlplan und eine Teilentnahme von bis zu 30 % möglich. Für die ersten 150 € im Monat ist das Altersvorsorgedepot deshalb die erste Adresse, für Angestellte wie für Selbstständige. Rürup ist das Produkt für alles, was darüber hinausgeht: Einen Steuerabzug bis 30.826 € im Jahr gibt es sonst nur bei der gesetzlichen Rente und den Versorgungswerken.

Meine Einschätzung

Ich halte die Rürup-Rente für ein Produkt, das unter falscher Überschrift verkauft wird. „Steuern sparen“ stimmt nur zur Hälfte, denn die Steuer wird verschoben und kommt auf die Rente zurück. Was der Vertrag tatsächlich leistet: Er macht aus hohem Einkommen heute eine garantierte Rente später, und der Staat gibt dafür viel dazu.

Wer Vermögen aufbauen will, über das er verfügen und das er vererben kann, ist im Depot richtig; dafür ist Rürup nicht gebaut. Wie die Altersvorsorge mit ETFs funktioniert, steht in meinem Artikel zur Altersvorsorge mit ETFs.

Wer ein sicheres Monatseinkommen will, das nicht von der Börse abhängt und nie aufgebraucht ist, bekommt es über Rürup in meiner Rechnung günstiger als über ein Depot mit Sofortrente. Ich halte das für vernünftig, wenn vier Dinge zusammenkommen:

  1. Die Steuerersparnis liegt bei 42 % oder mehr, und der Beitrag passt in den Höchstbetrag.
  2. Im Ruhestand fallen auf die Rente keine Kassenbeiträge an: privat versichert, oder der Weg in die Krankenversicherung der Rentner ist geklärt.
  3. Der Tarif ist ein ETF-Tarif ohne Abschlussprovision mit Vertragskosten um 0,5 % im Jahr und einem garantierten Rentenfaktor um 28 €.
  4. Das Geld wird bis zur Rente sicher nicht gebraucht, und daneben gibt es ein freies Depot.

Dann ist Rürup der Sockel, der die Fixkosten im Alter deckt, und das Depot der Teil, der flexibel bleibt. Vorher würde ich zwei Alternativen rechnen: das Altersvorsorgedepot für die ersten 1.800 € im Jahr und, wer über 55 oder privat versichert ist, die gesetzliche Rente.

Einen Weg habe ich nicht gerechnet, er liegt aber nahe: erst frei im Depot sparen und Rürup erst in den letzten Jahren vor der Rente mit hohen Beiträgen füllen. Der Höchstbetrag von 30.826 € im Jahr lässt das zu, und das Geld wäre nur wenige Jahre gebunden statt 22. Dagegen stehen die Steuer auf die Depotgewinne beim Umschichten und die kurze Zeit, die dem ETF im Vertrag bleibt. Wer mit 45 unsicher ist, verliert durch Abwarten jedenfalls nicht den Zugang zum Steuervorteil.

Für Angestellte unterhalb des Spitzensteuersatzes und für alle, die im Ruhestand freiwillig gesetzlich versichert bleiben, würde ich es lassen.

Vor dem Jahresende nicht hetzen lassen

Wer 2026 noch absetzen will, muss bis zum 31. Dezember zahlen. Das ist kein Grund für einen schnellen Abschluss: Der Vertrag läuft Jahrzehnte und lässt sich nicht kündigen, und ob ein Wechsel zu einem anderen Anbieter möglich ist, regelt jeder Tarif selbst. Bei manchen Tarifen kosten Zuzahlungen extra, bei der Europa laut Produktinformationsblatt 4 % (2,5 % Abschluss- und 1,5 % Verwaltungskosten). Vorher das Produktinformationsblatt lesen: Effektivkosten, garantierter Rentenfaktor, Kosten in der Rentenphase.

Häufige Fragen

Steuerlich wirksam sind bis zu 30.826 € im Jahr, für zusammen veranlagte Paare 61.652 €. Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zu einem Versorgungswerk zählen mit, bei Angestellten auch der Arbeitgeberanteil. Bei 60.000 € Gehalt bleiben 19.666 € Platz.

Nein. Du kannst die Beiträge senken oder den Vertrag beitragsfrei stellen, an das Guthaben kommst du aber erst als Rente, frühestens mit 62. Die Vertragskosten laufen in der Zwischenzeit weiter.

Das hängt vom Vertrag ab. Ist ein Hinterbliebenenschutz vereinbart, bekommen Ehepartner oder Kinder mit Kindergeldanspruch eine Rente, keine Einmalzahlung; andere Erben gehen leer aus. Der Schutz senkt die eigene Rente.

Als pflichtversicherter Rentner und als privat Versicherter nicht. Freiwillig gesetzlich Versicherte zahlen den ermäßigten Beitragssatz plus Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung, 2026 mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag rund 20,5 %.

Nur selten. Der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung belegen einen großen Teil des Höchstbetrags, und unterhalb des Spitzensteuersatzes ist der Vorsprung vor einem Depot mit anschließender Sofortrente in meiner Rechnung zu klein für 22 Jahre Bindung. Näher liegen das Altersvorsorgedepot ab 2027 und ab 50 die Sonderzahlung in die gesetzliche Rente.

Quellen