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Warum sich die betriebliche Altersvorsorge selten lohnt – die ehrliche Rechnung

345 € fließen jeden Monat in deine Betriebsrente. Heraus kommen 298 € Nettorente. Das gleiche Geld im ETF-Depot: 637 €. Ich habe nachgerechnet, was dir kein Makler vorrechnet.

16. Juli 202626 min read

Der Spruch ist immer derselbe

„Der Staat zahlt die Hälfte deiner Altersvorsorge. Dein Chef legt auch noch was drauf. Du wärst ja dumm, das nicht mitzunehmen."

So wird die betriebliche Altersvorsorge (bAV) seit Jahrzehnten verkauft – im Personalbüro, beim Maklertermin, in der Mittagspause vom „Betriebsrentenexperten". Und das Verrückte ist: Der Satz stimmt sogar. Bei 60.000 € Bruttogehalt kostet dich eine Entgeltumwandlung von 300 € tatsächlich nur rund 155 € netto. Förderquote: 48,5 %. Echte Zahlen.

Trotzdem ist die bAV im Versicherungsmantel für die meisten Angestellten ein schlechtes Geschäft. Das ist kein Widerspruch – das ist eine Rechnung mit zwei Seiten, und die zweite zeigt dir im Verkaufsgespräch niemand. Ich zeige sie dir: mit Simulation, allen Abzügen und einem Rechner zum Selberrechnen. Und am Ende mit den Fällen, in denen die bAV tatsächlich gewinnt – die gibt es nämlich.

Mein Fazit vorab in einem Satz: Die bAV lockt mit einer echten Förderung – doch im Alter holen sich Finanzamt, Krankenkasse und Rentenkasse das meiste davon zurück, und dazwischen verdient der Versicherungsmantel kräftig mit.

Kurz sortiert: Um welche bAV es hier geht

Die bAV hat fünf Durchführungswege, aber Neugeschäft läuft fast immer über versicherungsförmige Lösungen – allen voran die Direktversicherung: Dein Arbeitgeber schließt eine Renten­versicherung auf dein Leben ab, bezahlt per Entgeltumwandlung aus deinem Bruttogehalt. Um diese Konstruktion geht es hier. Arbeitgeberfinanzierte Zusagen, Pensionskassen des öffentlichen Diensts oder Direktzusagen für Geschäftsführer sind eigene Themen.

Die Spielregeln 2026:

RegelWert 2026
Steuerfrei einzahlbar (§ 3 Nr. 63 EStG: 8 % der BBG)676 €/Monat
Sozialabgabenfrei einzahlbar (4 % der BBG)338 €/Monat
Pflichtzuschuss Arbeitgeber bei Entgeltumwandlung (§ 1a Abs. 1a BetrAVG)15 %, soweit der AG Sozialabgaben spart
Garantiezins (Höchstrechnungszins) für Neuverträge1,0 %
Volle Besteuerung der späteren Betriebsrente (§ 22 Nr. 5 EStG)ja, zu 100 %
KV-Freibetrag auf Betriebsrenten (nur Krankenversicherung, nicht Pflege)197,75 €/Monat

52%

der Beschäftigten haben überhaupt eine bAV (Ende 2023)

1,0%

Garantiezins für Neuverträge

178.791

registrierte Versicherungsvermittler (01/2026)

Aktueller Anlass: Seit dem 22. Januar 2026 ist das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft – Öffnung des Sozialpartnermodells, ab 2027 höhere Geringverdienerförderung (360 € statt 288 €). Hintergrund ist die stagnierende Verbreitung: Nur rund die Hälfte der Beschäftigten hat eine bAV, seit 2021 leicht sinkend. An der Grundmechanik der Entgeltumwandlung ändert die Reform nichts – und die schauen wir uns jetzt an.

Die Förderung: Was du heute wirklich sparst

Fangen wir fair an. Der Musterfall für den ganzen Artikel:

35 Jahre, ledig, kinderlos, gesetzlich krankenversichert, 60.000 € brutto. Wandelt 300 €/Monat um, der Arbeitgeber legt die gesetzlichen 15 % (45 €) drauf. Rente mit 67, also 32 Jahre Ansparzeit.

Die 300 € verlassen dein Bruttogehalt vor Steuern und Sozialabgaben – beides sinkt:

Positionpro Monat
Entgeltumwandlung (Gehaltsverzicht brutto)300,00 €
Steuerersparnis−80,22 €
Ersparnis Sozialabgaben (KV, PV, RV, AV)−65,25 €
Echter Netto-Verzicht154,53 €
Arbeitgeberzuschuss (15 %)+45,00 €
Monatlicher Sparbeitrag im Vertrag345,00 €

Für 155 € netto landen 345 € im Vertrag. Faktor 2,2. Bis hierhin hat dir der Makler nicht ein einziges Mal ins Gesicht gelogen.

Die Förderquote ist ausgerechnet dort am niedrigsten, wo die Politik die bAV am liebsten sähe:

BruttojahresgehaltNetto-Aufwand für 300 € UmwandlungFörderquote
42.000 €166 €44,5 %
60.000 €155 €48,5 %
90.000 €154 €48,7 %
120.000 €174 €42,0 %

Geringverdiener haben niedrige Grenzsteuersätze, Topverdiener liegen über den Beitragsbemessungsgrenzen und sparen keine Sozialabgaben mehr. Am stärksten gefördert wird die Mitte – genau die Zielgruppe mit der größten Abschlusswahrscheinlichkeit beim Maklertermin.

Und eine Zahl, die in keiner Broschüre steht: Dein Arbeitgeber spart durch deine Entgeltumwandlung rund 21 % Sozialabgaben – abgeben muss er dir nur 15 %. Die Differenz behält er. Der Mindestzuschuss ist also keine Großzügigkeit – dein Chef gibt dir damit einen Teil deines eigenen Geldes zurück. (Und auch das nur, „soweit" er Sozialabgaben spart – oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen kann der Zuschuss entfallen, Tarifverträge dürfen die Regel aushebeln.)

Die Abrechnung im Alter: Steuer, Krankenkasse, Rentenkürzung

So weit die Schokoladenseite. Die 48,5 % Förderung sind allerdings kein Geschenk, sondern eine Stundung – im Alter wird an drei Stellen kassiert.

Erstens, das Finanzamt: Deine Betriebsrente wird zu 100 % mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert – nicht mit einem Besteuerungsanteil wie die gesetzliche Rente, sondern komplett (§ 22 Nr. 5 EStG).

Zweitens, die Krankenkasse: Als gesetzlich pflichtversicherter Rentner zahlst du auf Betriebsrenten den vollen Beitragssatz – Arbeitnehmer- plus Arbeitgeberanteil, 2026 im Kassendurchschnitt 17,5 % – plus 4,2 % Pflegeversicherung (kinderlos). Der Freibetrag von 197,75 €/Monat (seit 2020) gilt nur für die Kranken-, nicht für die Pflegeversicherung. Zur Erinnerung: In der Ansparphase hast du gerade mal 8,75 % KV-Arbeitnehmeranteil gespart. Gespart zum halben Satz, verbeitragt zum vollen – auf so einen Tausch würde sich sonst niemand freiwillig einlassen.

Drittens, die Deutsche Rentenversicherung: Die umgewandelten 300 € fehlen in deinem SV-Brutto, du sammelst 32 Jahre lang weniger Entgeltpunkte: im Musterfall 94 € gesetzliche Bruttorente pro Monat weniger – lebenslang (rund 62 € netto). Dieser Posten fehlt in praktisch jeder Beispielrechnung. Obendrauf sinken Krankengeld, Arbeitslosengeld und Elterngeld, die sich alle am reduzierten Brutto oder Netto bemessen.

Die komplette Kette für unseren Musterfall (Details und Annahmen folgen im Simulations-Abschnitt):

StationBetrag
Sparbeitrag im Vertrag (inkl. 15 % AG-Zuschuss)345 €/Monat
Kapital mit 67 (5 % reale Marktrendite − 1,8 % Effektivkosten)228.995 €
Brutto-Betriebsrente (Rentenfaktor 25)572 €/Monat
− Krankenversicherung (17,5 % über Freibetrag)−66 €
− Pflegeversicherung (4,2 %)−24 €
− Einkommensteuer−123 €
= Netto-Betriebsrente360 €/Monat
− entgangene gesetzliche Nettorente−62 €
= Was die bAV dir effektiv bringt298 €/Monat

Von der Bruttorente bleiben dir netto-effektiv 52 %: Beim Einzahlen legt der Staat rund 48 % drauf, bei der Auszahlung nimmt er sich rund 48 % wieder. Die vielgepriesene Förderung ist über den Lebenszyklus fast ein Nullsummenspiel – übrig bleiben die Kosten des Mantels und die Konditionen der Verrentung. Und genau die haben es in sich.

Der Mantel kostet: Provisionen, Effektivkosten, Storno

Eine fondsgebundene Direktversicherung ist ökonomisch ein Fondssparplan mit teurer Hülle. Wie teuer, misst die BaFin regelmäßig nach – jüngste Kostenerhebung (Juni 2026, Neugeschäft 2024): Im teuersten Marktviertel schmälern die Effektivkosten die Rendite um rund 1,9 Prozentpunkte pro Jahr – über 30 Jahre gerechnet und nur, wenn der Vertrag durchgehalten wird. Realistischer: Nach 15 Jahren (bis dahin hat etwa die Hälfte der Kunden beendet) liegt das teuerste Viertel bei rund 3,2 %. In der Erhebung davor (Neugeschäft 2021) fanden sich Anbieter, deren meistverkaufte Produkte über 4 % lagen. Ein Welt-ETF kostet 0,2 %.

Was macht das über 32 Jahre mit 345 € Monatsbeitrag bei 5 % realer Marktrendite?

Effektivkosten p.a.Kapital mit 67Kostenschaden vs. 0 %
0,0 %320.117 €
0,5 %291.161 €−28.956 €
1,0 %265.175 €−54.942 €
1,8 %228.995 €−91.122 €
2,5 %202.031 €−118.086 €

Bei marktüblichen 1,8 % frisst der Mantel gut 91.000 € – mehr, als du selbst netto überhaupt einzahlst (154,53 € × 384 Monate = 59.338 €). Lies den Satz ruhig zweimal.

Ein großer Kostenblock entsteht am allerersten Tag: die Abschlussprovision, berechnet als Promillesatz der gesamten Beitragssumme – üblich sind 25 bis 40 ‰, nach BaFin-Auswertungen kassiert fast ein Drittel der Vermittler mehr als 40 ‰. Für unseren Vertrag (345 € × 384 Monate = 132.480 € Beitragssumme):

ProvisionssatzVergütung des Vermittlers
25 ‰3.312 €
40 ‰5.299 €

Diese Summe verdient der Vermittler mit deiner Unterschrift – für vielleicht zwei Stunden Beratung. Verrechnet („gezillmert") wird sie über deine ersten Vertragsjahre: Deine frühen Beiträge tilgen erst die Provision, statt für dich zu arbeiten – kündigst du früh, liegt der Rückkaufswert deshalb regelmäßig unter den Einzahlungen. Dazu kommen Verwaltungskosten, laufende Bestandsprovision und die Fondskosten selbst, oft aktive Fonds mit 1,5 % TER.

Und jetzt zu dem Punkt, den die Branche am liebsten verschweigt: Die Verträge werden massenhaft nicht durchgehalten. Die Stornoquote im Lebensversicherungsbestand lag 2023 bei 2,55 % pro Jahr (map-report 936) – klingt harmlos, kumuliert sich aber brutal: Der Bund der Versicherten hat auf dieser Basis schon 2021 hochgerechnet, dass nach 27 Jahren rund die Hälfte aller Verträge vorzeitig beendet ist. (Die Versichererlobby wendet ein, Storno sinke mit dem Vertragsalter – laut BaFin ist trotzdem nach 15 Jahren etwa die Hälfte der Kunden raus.) Jeder Jobwechsel ist Gift für den Vertrag: neuer Rahmenvertrag, Beitragsfreistellung mit weiterlaufenden Kosten oder Übertragung mit womöglich neuen Abschlusskosten. Die bAV setzt 32 Jahre Stillstand deines Lebenslaufs voraus – in einer Arbeitswelt, in der niemand mehr 32 Jahre beim selben Arbeitgeber bleibt.

Der Rückkaufswert-Schock

Eine bAV kannst du – anders als ein Depot – vor dem Rentenalter praktisch nicht kündigen und auszahlen lassen. Die Branche nennt das „Vorteil: Disziplin". Tatsächlich ist es dein Geld, an das du nicht mehr rankommst – in einem Vertrag, den du nicht mehr nachverhandeln kannst.

Die zweite Wette: der Rentenfaktor

Selbst wenn dein Vertrag günstig wäre – am Ende wartet die zweite Stufe des Geschäftsmodells: die Verrentung. Dein Kapital wird nicht ausgezahlt, sondern in eine lebenslange Rente umgerechnet. Der Wechselkurs heißt Rentenfaktor: Monatsrente je 10.000 € Kapital.

Marktüblich sind garantierte Rentenfaktoren um 25, gute Tarife schaffen 27; die „aktuellen" (unverbindlichen!) liegen bei langen Laufzeiten um 27 bis 30. Was das heißt – wie lange der Versicherer zahlen muss, bis du dein eigenes Kapital brutto zurückhast:

RentenfaktorMonatsrente je 10.000 €Kapital zurück nachDein Alter dann
25 (garantiert, marktüblich)25 €33,3 Jahren100
2828 €29,8 Jahren97
31 (aktuell, unverbindlich)31 €26,9 Jahren94

Zur Einordnung: Die Lebenserwartung eines heute 35-jährigen Mannes liegt bei etwa 84 Jahren, die einer Frau bei 88. Der Versicherer bietet dir eine Wette an, die du im Erwartungswert deutlich verlierst – und nennt sie „Absicherung des Langlebigkeitsrisikos". Netto wird es absurd: Im Musterfall fließt dein Kapital nach Steuern und Sozialabgaben erst mit 120 vollständig zurück.

Zwei Punkte, die im Beratungsgespräch gern untergehen:

  1. Garantiert ist nur der garantierte Rentenfaktor. Die schönere „aktuelle" Zahl darf der Versicherer senken – mehrere große Anbieter haben das bei laufenden Verträgen getan, teils von Faktor 37 auf unter 28. Der BGH kassierte eine solche Kürzungsklausel im Dezember 2025 (Az. IV ZR 34/25). Gut für die Kläger – aber das Grundproblem bleibt: Über die Höhe deiner Rente streitest du im Zweifel vor Gericht.
  2. Der Rentenfaktor ist der Preis, zu dem du kaufen musst. Beim Depot entscheidest du mit 67 selbst über dein Kapital. Bei der bAV hast du den Verrentungskurs mit 35 unterschrieben – für einen Zeitpunkt in 32 Jahren, kalkuliert mit Sicherheitspuffern zugunsten des Versicherers.

Die Simulation: bAV gegen ein simples ETF-Depot

Jetzt rechnen wir das Ganze sauber gegeneinander. Glaub mir kein Wort: Alle Annahmen stehen hier zum Nachrechnen.

Methodik – bewusst fair zur bAV

Beide Wege bekommen exakt denselben Netto-Aufwand: 154,53 €/Monat über 32 Jahre. Alle Beträge real (heutige Kaufkraft): 5 % reale Aktienrendite in der Ansparphase (~7 % nominal bei 2 % Inflation), 3,5 % real in der Entnahmephase; Steuer- und Sozialrecht 2026 konstant. Zugunsten der bAV unterstelle ich eine inflationssteigende Betriebsrente und die volle Aktienrendite im Vertrag – beides schaffen die wenigsten Policen. ETF-Seite: 0,2 % TER, Abgeltungsteuer inkl. Soli mit 30 % Teilfreistellung auf die Gewinnanteile der Entnahmen, Sparerpauschbetrag 1.000 € (Vorabpauschale vernachlässigt – wird vom Pauschbetrag aufgefangen und bei Verkauf angerechnet). Entnahmeplan: Kapitalverzehr bis 90.

Das Ergebnis über alle Szenarien – „bAV effektiv" heißt: Netto-Betriebsrente abzüglich der entgangenen gesetzlichen Nettorente:

SzenarioKapital mit 67bAV effektivETF nettoDifferenz
Standardvertrag (15 % Zuschuss, 1,8 % Kosten, RF 25)228.995 €298 €/M637 €/M−339 €/M
Standardvertrag, aktueller RF 31 statt garantiert228.995 €377 €/M637 €/M−260 €/M
Guter Vertrag (0,8 % Kosten, RF 27)275.234 €396 €/M637 €/M−241 €/M
Arbeitgeber zahlt 50 % Zuschuss298.690 €398 €/M637 €/M−239 €/M
Arbeitgeber zahlt 50 % + guter Vertrag359.001 €524 €/M637 €/M−112 €/M
Arbeitgeber verdoppelt deinen Beitrag (100 %)398.253 €539 €/M637 €/M−97 €/M
Hybrid-Police mit Beitragsgarantie (60 % Aktienquote)166.949 €208 €/M637 €/M−428 €/M

Lass das sacken: Das ETF-Depot liefert im Standardfall mehr als das Doppelte – 637 € statt 298 €, Monat für Monat, 23 Jahre lang. Selbst wenn dein Arbeitgeber deinen Beitrag komplett verdoppelt, liegt die Standard-bAV noch 97 € pro Monat hinten.

Die Break-even-Analyse macht es endgültig deutlich:

  • Beim Standardvertrag müsste der Arbeitgeberzuschuss auf rund 135 % steigen, damit die bAV gleichzieht; beim guten Vertrag (0,8 % Kosten, RF 27) auf rund 80 %.
  • Und der Hammer: Bei 15 % Zuschuss und Rentenfaktor 25 gewinnt die bAV auf keinem Kostenniveau – selbst kostenlos verliert sie; der Versicherer müsste dir jährlich ~1,9 % Rendite schenken. Das Problem ist die Konstruktion: volle Besteuerung, volle Verbeitragung, gekürzte gesetzliche Rente, Verrentungskurs jenseits der 100.

Das Ergebnis ist auch robust: Bei 3 % realer Marktrendite gewinnt das Depot mit 257 €/Monat, bei 6 % mit 395 €/Monat. Die Reihenfolge kippt in keinem realistischen Szenario.

Spiel es selbst durch – mit deinem Gehalt, deinem Zuschuss und den Effektivkosten aus deinem Produktinformationsblatt:

bAV oder ETF-Depot? Der ehrliche Vergleich

Gleicher Netto-Aufwand, zwei Wege: Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung vs. ETF-Sparplan aus dem Nettogehalt. Alles in heutiger Kaufkraft.

Dein Alter35 Jahre
Bruttojahresgehalt60.000 €
Entgeltumwandlung/Monat300 €
Arbeitgeberzuschuss15 %
Effektivkosten der Police1,8 % p.a.
Rentenfaktor (je 10.000 €)25 €
bAV-Nettorente (nach Steuer, KV/PV & Rentenkürzung)298 €/M
ETF-Nettoentnahme (67 bis 90, nach Steuern)637 €/M

Netto-Aufwand/M

155 €

bei 345 € bAV-Beitrag

Kapital mit 67

228.995 €

ETF: 138.023 €

Vorteil ETF

339 €/M

im Ruhestand, netto

Abzüge von der Brutto-Betriebsrente (572 €/M): Krankenversicherung 66 €, Pflege 24 €, Einkommensteuer 123 €. Dazu 62 € weniger gesetzliche Nettorente durch die Umwandlung.
Annahmen: 5 % reale Aktienmarktrendite (Ansparphase), 3,5 % real in der Entnahmephase, ETF-TER 0,2 %, Steuer- und Sozialrecht 2026, ledig, kinderlos, gesetzlich krankenversichert, Rente ab 67, ETF-Verzehr bis 90. Keine Anlageberatung – rechne mit deinen eigenen Vertragswerten.

Falls gerade ein bAV-Angebot auf deinem Tisch liegt: Die Illustration darin zeigt vermutlich eine Zahl wie „275.000 € Kapital, 688 € Monatsrente". Das ist die nominale Bruttowelt – vor Inflation, Steuern, Krankenkasse und der Kürzung deiner gesetzlichen Rente. Mehr als die Hälfte der Zahl auf dem Papier ist Optik.

„Aber die Rente ist doch lebenslang garantiert!"

Bleibt das stärkste Argument der Branche – das rechne ich extra durch. Lebenslange Rente heißt: Die bAV zahlt auch mit 95 noch, der ETF-Entnahmeplan ist bis 90 kalkuliert. Klingt fair. Nur zahlt die bAV so wenig pro Monat, dass sie das Rennen trotzdem nie gewinnt. Gesamtbilanz im Standardfall, alles netto (nach 90 ist das Depot leer, die bAV zahlt weiter):

Tod mitbAV: Summe erhaltener RentenETF: Summe Entnahmen + vererbbares Restdepot
7217.875 €38.192 € + 116.892 € = 155.084 €
7735.749 €76.384 € + 91.469 € = 167.853 €
8564.349 €137.491 € + 40.110 € = 177.601 €
9082.224 €175.683 € + 0 € = 175.683 €
95100.098 €175.683 €
100117.973 €175.683 €

Die bAV überholt die ETF-Gesamtbilanz mit dem garantierten Rentenfaktor erst, wenn du älter als 116 wirst – mit dem unverbindlichen aktuellen immerhin schon ab 106. Das ist keine Langlebigkeits-Absicherung, das ist eine Langlebigkeits-Lotterie mit Gewinnausschüttung jenseits der biologischen Realität.

Es geht noch drastischer: Entnimmst du aus dem Depot nur 3 % pro Jahr, bekommst du netto rund 309 € im Monat (konservativ ohne Sparerpauschbetrag) – mehr als die 298 € der bAV – ohne dein Kapital jemals anzutasten. Ewige Zahlung, und die 138.000 € vererbst du komplett. Die „lebenslange Rente" verliert also selbst gegen eine Strategie, bei der du unsterblich sein dürftest.

Apropos Vererben: Stirbst du, ist dein bAV-Guthaben grundsätzlich weg – außer für einen eng definierten Kreis (Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, namentlich benannte Lebensgefährten, kindergeldberechtigte Kinder), und nur wenn der Vertrag es vorsieht. Deine Schwester, dein nicht benannter Partner, deine erwachsenen Kinder? Bekommen höchstens ein „Sterbegeld" von 8.000 €. Das Depot gehört dir – und danach dem, den du bestimmst.

Und die Beitragsgarantie? Klingt nach Sicherheit, ist ein Renditekiller: Um 80 oder 100 % der Beiträge zu garantieren, parkt der Versicherer einen großen Teil im Sicherungsvermögen zum Garantiezins von 1,0 %. Bei 80 % Garantie bleibt im Schnitt nur ~60 % effektive Aktienquote; bei dynamischen Hybriden fand die BaFin 2025 im Median sogar nur ~15 % freie Fondsanlage – meine Modellrechnung mit 60 % ist die freundliche Variante. Das Ergebnis steht in der letzten Zeile der Szenariotabelle: 166.949 € statt 228.995 € Kapital, 208 € statt 298 € Nettorente. Eine nominale Beitragsgarantie über 32 Jahre ist die teuerste Beruhigungspille, die man kaufen kann.

DVAG, MLP, Horbach & Co.: Wer dir die bAV verkauft – und warum

Kommen wir zum unbequemen Teil. Die bAV wird nicht gekauft, sie wird verkauft – von Vermittlern, deren Einkommen mit deiner Unterschrift entsteht und mit der Beitragssumme wächst. Wer für den Abschluss 3.000 bis 5.000 € Provision bekommt, ist strukturell der falsche Ratgeber für die Frage „bAV oder Depot?" – ein Depot hat er nicht im Regal. Dazu kommt eine Besonderheit der bAV: Du bist hier gar nicht der Kunde. Der Vermittler berät formal deinen Arbeitgeber; der wählt Anbieter und Rahmenvertrag – oft nach „kennen wir schon" oder auf Empfehlung des eigenen Firmenmaklers, der damit gleich die ganze Belegschaft als Kundenstamm gewinnt. Ob dein Tarif 0,8 % oder 2,5 % Effektivkosten hat, entscheidet jemand, der die Rechnung nicht bezahlt. Und die Politik? Der Provisionsdeckel wurde 2019 beerdigt; der Maklerverband BDVM machte 2024 einen eigenen 25-‰-Vorstoß – und kassierte ihn nach Kritik aus den eigenen Reihen binnen Wochen wieder. Die Branche schafft es nicht einmal, sich selbst zu deckeln.

„Die Branche" bleibt aber abstrakt, solange keine Namen fallen. Also Namen. Das sind die großen Vertriebsorganisationen, denen du beim Thema Altersvorsorge früher oder später begegnest – im Wohnzimmer, in der Kaffeeküche deiner Firma oder am Campus:

VertriebGehört zu / ProduktgeberBerater-StatusGröße
DVAGGenerali hält ca. 40 %; vertreibt als gebundener Vermittler (§ 34d Abs. 7 GewO) ausschließlich Generaliselbstständige Handelsvertreter (§ 84 HGB), Provision~18.000 Berater, 8 Mio. Kunden, >2,6 Mrd. € Umsatz (2025)
MLPeigenständige SE mit Maklerzulassung – Berater sind Handelsvertreter für MLPselbstständige Handelsvertreter, Provision2.136 Berater, ~596.000 Familienkunden (2025)
HorbachVertriebsmarke von Swiss Life Deutschland (Fokus Akademiker)selbstständige Handelsvertreter, ProvisionSwiss Life DE: ~6.100 Berater, mit Telis (07/2026) ~8.000
Swiss Life SelectSwiss Life – bis 2013 hieß der Laden AWDselbstständige Handelsvertreter, ProvisionTeil der Swiss-Life-Vertriebe
OVBbörsennotierter Strukturvertrieb, Schwerpunkt Osteuropaselbstständige Handelsvertreter, Provision6.525 Vermittler, 4,85 Mio. Kunden (2025)

„Unabhängige Beratung" – schauen wir ins Register

„Vermögensberater" ist keine geschützte Berufsbezeichnung; jeder darf sich so nennen. Was zählt, steht im IHK-Vermittlerregister, und da wird es entlarvend: Die DVAG ist laut eigenem Impressum gebundener Versicherungsvermittler nach § 34d Abs. 7 GewO – sie vermittelt ausschließlich Generali und deren Partner. Kein Marktvergleich: Laut Finanzwende-Auswertung des DVAG-Unternehmensberichts entfielen 74 % des Vertragswerts auf Generali-Lebensversicherungen. Ein DVAG-„Vermögensberater", der dir eine bAV empfiehlt, ist ungefähr so unabhängig wie ein VW-Verkäufer, der dir zum Golf rät.

Bei MLP läuft es subtiler: Maklerzulassung („im Lager des Kunden") – aber die Berater sind selbstständige Handelsvertreter der MLP, vergütet über Provisionen der Produktgeber. Finanzwende hat das Modell 2021/2022 seziert („Das System MLP"); schon Stiftung Warentest urteilte 2014 über die vier größten Allfinanzvertriebe (DVAG, MLP, OVB, Swiss Life Select): Die Berater leben von Provisionen und empfahlen wiederholt Produkte der Partnergesellschaften.

Die Alternative gibt es übrigens: Versicherungsberater nach § 34d Abs. 2 GewO, die nur gegen Honorar arbeiten dürfen. Zähl mal nach:

98.307

gebundene Vertreter (verkaufen für einen Anbieter)

46.951

Versicherungsmakler (provisionsvergütet)

331

unabhängige Versicherungsberater auf Honorarbasis – in ganz Deutschland

178.791 registrierte Vermittler, davon 331 – null Komma zwei Prozent –, die strukturell in deinem Lager stehen. Das ist keine Marktlücke, das ist ein Marktversagen mit Ansage.

Das Drehbuch: erst die Familie, dann die Freunde, dann du

Die großen Vertriebe rekrutieren nicht primär Finanzprofis – sie rekrutieren Netzwerke. Die Verbraucherzentrale beschreibt (2025), wie MLP, Horbach und tecis systematisch am Campus werben: Präsente in Ersti-Tüten, Gratis-Workshops zu Excel und Steuererklärung, dazu „Finanzplanungsgespräche" – die vermittelten Produkte seien „in der Regel nicht bedarfsgerecht". Finanzwende dokumentierte 2020, dass MLP an der Goethe-Uni Frankfurt über den offiziellen Career Service Lehrveranstaltungen anbot; der AStA der TU Darmstadt verhängte schon 2011 zeitweise Hausverbot.

Wer anheuert – oft Studierende, als selbstständige Handelsvertreter ohne Festgehalt – lernt zuerst: verkaufen im eigenen Umfeld. Eine DVAG-Aussteigerin im ZDF-Magazin frontal (2021): „Seine ersten Kunden muss man selbst akquirieren. Man geht einfach die Familie und engsten Freunde erst mal durch." Die WirtschaftsWoche ließ Ex-Vertriebler mehrerer Häuser (DVAG, Swiss Life Select, tecis, Horbach u. a.) zu Protokoll geben, dass Freundes- und Kommilitonenkreise die erste Kundenbasis stellen – begleitet von Zahlen-Meetings und Ranglisten. Finanzwende bringt es auf den Punkt: Ohne die Adressbücher der Neueinsteiger „wäre die DVAG kein Milliarden-Konzern".

Warum machen die Neuen das mit? Das Karrieresystem zwingt sie: Bei Strukturvertrieben wie DVAG oder OVB steigt auf, wer verkauft und neue Berater anwirbt – und wer aufsteigt, verdient an den Abschlüssen der Ebenen darunter mit (Finanzwende zitiert DVAG-Schulungen, in denen es „früh um Neurekrutierungen" gehe). Dazu die Stornohaftung: Kündigt dein Onkel in den ersten fünf Jahren, zahlt der Berater die Provision anteilig zurück (§ 49 VAG). Ein Berater ohne Festgehalt, mit dem Umsatzranking im Nacken und der Rückzahlungspflicht obendrauf, verkauft nicht das beste Produkt am Markt – er verkauft das Produkt aus seinem Regal an die Menschen, die ihm vertrauen.

Dass das kein Betriebsunfall ist, zeigt die Geschichte: Der Vorläufer von Swiss Life Select hieß AWD – in Österreich endeten VKI-Sammelklagen für rund 2.500 Anleger wegen des Vorwurfs systematischer Fehlberatung 2013 in einem Vergleich über gut 11 Mio. € (AWD bestritt stets, die Marke verschwand trotzdem). Über die DVAG erschienen 2019–2023 kritische Recherchen von SPIEGEL, ZDF frontal und Finanzwende. Pikant: Die Aufsicht über diese Vermittler liegt nicht bei der BaFin, sondern bei IHKs und Gewerbeämtern.

Was heißt das für deine bAV? Genau diese Häuser haben sie als Kerngeschäft entdeckt: Die DVAG vertreibt die Generali-Direktversicherung („bAV Strategie Plus"), MLP baut das bAV-Geschäft mit Firmenkunden und Ärzten aus, die Swiss-Life-Vertriebe führen bAV als „Kernkompetenz". Die Mathematik aus diesem Artikel gilt unabhängig vom Logo auf der Visitenkarte – aber die Wahrscheinlichkeit, aus einem Ein-Anbieter-Sortiment den Tarif mit 0,8 % Kosten und Top-Rentenfaktor zu bekommen, kannst du dir selbst ausrechnen.

Der Fairness halber

Nichts davon macht den einzelnen Berater zum Betrüger – viele glauben an das, was sie verkaufen; die geschilderten Praktiken stammen aus den genannten dokumentierten Recherchen und Aussteigerberichten. Es geht um das System: Wer über Provisionen, Strukturhierarchien und das eigene Adressbuch verkauft, kann strukturell nicht dein unabhängiger Ratgeber sein. Prüfe jeden Vermittler im IHK-Vermittlerregister – dort steht, ob dir ein gebundener Vertreter, ein Makler oder ein Honorar-Versicherungsberater gegenübersitzt.

Wann sich die bAV doch lohnt – die ehrliche Gegenliste

Der Wirtschaftsmathematiker in mir besteht auf Ehrlichkeit: Es gibt Konstellationen, in denen die bAV gewinnt oder zumindest mithält – und zwar diese:

Hier kann die bAV gewinnen
  • +Der Arbeitgeber finanziert komplett oder gibt deutlich mehr als 50 % Zuschuss – geschenktes Geld schlägt jede Kostenquote
  • +Gruppenvertrag mit Nettokonditionen (unter ~0,8 % Effektivkosten) UND hohem Zuschuss
  • +Du bist privat krankenversichert – die KVdR-Verbeitragung entfällt komplett
  • +Geringverdiener mit §-100-Förderung plus Grundsicherungs-Freibetrag (bis ~281 €/Monat anrechnungsfrei)
  • +Du würdest sonst gar nicht sparen – eine teure Rente schlägt keine (Psychologie-, kein Mathe-Argument)
Hier verliert sie fast sicher
  • Reine Entgeltumwandlung mit 15-%-Pflichtzuschuss im Provisions-Standardtarif – der Fall aus diesem Artikel
  • Police mit Beitragsgarantie: Sicherheit, die ein Drittel des Endkapitals kostet
  • Häufige Jobwechsel absehbar: Übertragungen kosten Rendite, Stilllegung lässt Kosten weiterlaufen
  • Gesetzlich versichert mit Betriebsrente über dem Freibetrag (voller KV- plus PV-Satz)
  • Vererbung ist dir wichtig – bAV-Guthaben stirbt größtenteils mit dir

Falls ein Angebot auf dem Tisch liegt – mit diesen fünf Fragen nimmst du es in zehn Minuten auseinander:

  1. Wie hoch ist der Arbeitgeberzuschuss wirklich? 15 % sind gesetzliche Pflicht, kein Zuschuss. Interessant wird es ab 50 %, rechnerisch sauber meist erst ab 80–100 %.
  2. Wie hoch sind die Effektivkosten? Steht im Produktinformationsblatt. Über 1 % ist teuer, über 2 % dreist.
  3. Wie hoch ist der garantierte Rentenfaktor? 10.000 geteilt durch den Faktor = Monate bis zur Kapitalrückzahlung. In Jahre umrechnen, 67 addieren, schlucken.
  4. Was passiert bei Jobwechsel und im Todesfall? Schriftlich geben lassen.
  5. Bekommst du dieselbe Förderung woanders? Den AG-Zuschuss nur hier – Steuerstundung und niedrige Kosten im Depot besser. Deshalb ist der Zuschuss die einzige Größe, die den Ausschlag geben kann.
Meine Faustregel

Nimm alles mit, was dein Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt einzahlt – geschenktes Geld bleibt geschenkt, selbst im teuren Mantel. Aber wandle kein eigenes Gehalt um, solange der Zuschuss nicht Richtung Verdopplung geht und die Effektivkosten nicht unter 1 % liegen. Für dein eigenes Geld: Depot, Welt-ETF, Sparplan – siehe Altersvorsorge mit ETFs.

Der Vollständigkeit halber: Das neue Sozialpartnermodell („reine Beitragszusage") löst zwei Kernprobleme – keine teuren Garantien, dadurch höhere Aktienquoten, und institutionelle Kosten statt Einzelvertrieb. Seit Januar 2026 können auch nicht tarifgebundene Firmen andocken; wenn dein Arbeitgeber so etwas anbietet, schau es dir an. Nur: Verbreitet ist es kaum, und an den Millionen Bestandsverträgen ändert es nichts.

Mein Fazit

Die bAV im Versicherungsmantel ist das perfekte Beispiel für ein Produkt, das aus lauter wahren Einzelaussagen ein falsches Gesamtbild zusammensetzt. Die Förderung ist real, der Zuschuss ist real – und trotzdem kommt am Ende meist weniger heraus als beim stinknormalen ETF-Sparplan aus dem Netto, oft weniger als die Hälfte. Die Gründe: Die Ersparnis von heute wird im Alter fast vollständig zurückgeholt, die gesetzliche Rente schrumpft mit, der Mantel kostet ein kleines Vermögen, und der Rentenfaktor rechnet deine Lebenserwartung schön. Alles öffentlich dokumentiert – es steht nur nie zusammen in einer Beispielrechnung. Jetzt schon.

Wenn du dir nur einen Satz aus diesem Artikel merkst, dann diesen: Lass dir bei Altersvorsorge-Produkten immer die komplette Netto-Rechnung zeigen – vom Verzicht heute bis zur Rente nach Steuern, Sozialabgaben und Inflation. Wer dir nur die Ersparnis von heute zeigt und die Abzüge von morgen verschweigt, will dir etwas verkaufen.

FAQ

Häufige Fragen zur betrieblichen Altersvorsorge

Nach meinen Berechnungen: nein. Im Standardvertrag müsste der Zuschuss auf rund 135 % steigen, damit die bAV ein ETF-Depot mit gleichem Netto-Aufwand schlägt. Die 15 % sind zudem kein Geschenk – dein Arbeitgeber spart durch die Umwandlung selbst rund 21 % Sozialabgaben.

Drei Möglichkeiten: Der neue Arbeitgeber übernimmt den Vertrag (selten), du überträgst das Guthaben (dabei können erneut Kosten entstehen), oder der Vertrag wird beitragsfrei gestellt – dann laufen die Verwaltungskosten weiter. Kleine ruhende Verträge aus alten Jobs gehören zu den renditeschwächsten Konstrukten überhaupt.

Vor dem Rentenalter praktisch nicht – gefördertes Guthaben ist gesetzlich gebunden; du kannst nur beitragsfrei stellen. Ab 62 gibt es Rente oder (falls vereinbart) eine Einmalzahlung – die wird voll versteuert und über zehn Jahre verbeitragt: Im Musterfall blieben von 229.000 € rund 93.000 € (41 %); beim ETF-Depot wären es rund 90 %.

Als gesetzlich pflichtversicherter Rentner zahlst du den vollen Beitragssatz (2026 durchschnittlich 17,5 %) plus Pflegeversicherung (4,2 % für Kinderlose). Der Freibetrag von 197,75 €/Monat mildert nur die Kranken-, nicht die Pflegeversicherung. Privat Krankenversicherte zahlen keine GKV-Beiträge auf die Betriebsrente – für sie rechnet sich die bAV deutlich besser.

Die Garantie gilt nominal, nicht real – nach 32 Jahren mit 2 % Inflation sind garantierte 100 % noch 53 % Kaufkraft. Bezahlt wird sie mit niedriger Aktienquote: In meiner Simulation kostet sie rund ein Drittel des Endkapitals. Ein breit gestreutes Weltportfolio war historisch nach jedem 30-Jahres-Zeitraum im Plus. Das relevante Risiko im Alter ist nicht die Schwankung, sondern zu wenig Kapital.

Nur teilweise. Das Sozialpartnermodell (seit 2026 auch für nicht tarifgebundene Firmen offen) verzichtet auf Garantien, fährt höhere Aktienquoten und hat institutionelle Kosten – zwei der drei großen Renditefresser fallen weg. Die nachgelagerte Besteuerung und die Verbeitragung in der GKV bleiben aber auch dort bestehen. Es ist die bessere bAV, kein Freifahrtschein.

Automatisch nicht – aber die Ausgangslage ist ungünstig. Die DVAG vermittelt als gebundener Vertreter ausschließlich Generali-Produkte, es gibt also keinen Marktvergleich; MLP- und Horbach-Berater sind provisionsvergütete Handelsvertreter ihrer Häuser. Miss das konkrete Angebot an den Kriterien aus diesem Artikel: Effektivkosten laut Produktinformationsblatt (über 1 % ist teuer), garantierter Rentenfaktor, echter Arbeitgeberzuschuss – und rechne es im Vergleichsrechner oben gegen ein ETF-Depot. Die Mathematik interessiert sich nicht für das Logo auf der Visitenkarte.

Quellen

  • BMAS: Forschungsbericht 651 zur Verbreitung der bAV (Januar 2025) – Ende 2023: 51,9 %
  • BaFin: „Kundennutzen von Lebensversicherungen" (Kostenerhebung Neugeschäft 2024, Juni 2026); Marktstudie Effektivkosten (Neugeschäft 2021, 2022); LVRG-Provisionsauswertung (Datenstand 2018)
  • GKV-Spitzenverband: Rechengrößen 2026 (BBG 101.400 €, Ø-Zusatzbeitrag 2,9 %, Freibetrag Versorgungsbezüge 197,75 €)
  • Deutsche Rentenversicherung: Rentenanpassung 07/2026 (Rentenwert 42,52 €); Durchschnittsentgelt 2026 (vorläufig): 51.944 €
  • Deutsche Aktuarvereinigung: Höchstrechnungszins 1,0 % für 2026 (§ 2 DeckRV)
  • DIHK-Vermittlerregister (01/2026): 178.791 Vermittler, davon 98.307 gebundene Vertreter, 46.951 Makler, 331 Versicherungsberater
  • map-report 936 (Franke und Bornberg): Stornoquoten 2023; Bund der Versicherten: Hochrechnung Vertragsabbrüche (2021)
  • BGH, Urteil vom 10.12.2025 – IV ZR 34/25 (Rentenfaktor-Kürzungsklausel unwirksam); fragfina: Rentenfaktor-Check 2025
  • Zweites Betriebsrentenstärkungsgesetz, BGBl. 2026 I Nr. 14 (in Kraft seit 22.01.2026)
  • Gesetze: § 3 Nr. 63, § 22 Nr. 5, § 100 EStG; § 1a BetrAVG; §§ 226, 229 SGB V; § 49 VAG; § 84 HGB; § 34d GewO
  • Statistisches Bundesamt: Kohortensterbetafeln (Trendvarianten V1/V2)
  • Zu den Vertrieben: Finanzwende „Drei gute Gründe, der DVAG den Rücken zu kehren" (2023) und „Das System MLP" (2021); Finanztest „Die vier größten Allfinanzvertriebe im Test" (2014); WirtschaftsWoche „Ex-Strukkis packen aus" (2021) und „Die OVB-Masche" (2010); ZDF frontal (2021); DER SPIEGEL (2019); Verbraucherzentrale „Finanzdienstleister werben auf dem Unicampus" (2025); VKI-Sammelklagen/AWD-Vergleich (2013)
  • Unternehmensangaben: DVAG-Unternehmensbericht 2025 und Impressum; MLP-Geschäftszahlen 2025 und Pflichtangaben; Swiss Life DE Facts & Figures 2026; OVB 9M-Zahlen 2025

Hinweis: Dieser Artikel ist meine persönliche, nach bestem Wissen durchgerechnete Einschätzung – keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Deine Konstellation (PKV, Zuschuss, Tarifvertrag) kann das Ergebnis verschieben: Rechne sie im Rechner oben durch. Fürs Depot: ETF-Sparplanrechner und Depot-Vergleich.